1. Meinung

Im Cabrio ist auch Platz für Wein

Im Cabrio ist auch Platz für Wein

Der Juli entschädigt bisher für den im Mai und Juni weitgehend ausgefallenen Frühsommer. Die Leute sitzen draußen, Grillkohlen glühen, Eisdielen und die Lokale mit Außengastronomie haben gut zu tun. Und wer ein Cabrio sein Eigen nennt, fährt oben ohne.

Vor einigen Tagen hatte ich ein Porsche-Cabriolet vor mir, als ich am Zeltinger Berg zwischen Wittlich und der Zeltinger Brücke unterwegs war. Das schwedische Kennzeichen auf der Luxuskarosse verriet: Die Mitfahrer hatten einen weiten Weg hinter sich. Ich sah nur die Hinterköpfe der beiden. Haarfarbe blond - typische Skandinavier also.

Als nach der letzten Kurve die Mosel in Sicht kam, verlangsamte der Fahrer die Geschwindigkeit. Ich sah, wie Finger in die Luft gingen und auf Fluss und Weinberge deuteten. Mir kam sofort ein Gedanke: Das sind Leute, die auch wegen des Weins an die Mosel kommen, schon die ersten Zeichen von Begeisterung über die Landschaft zeigen und genug Geld haben, um etwas davon in den hiesigen Betrieben (Hotels, Restaurants, Winzer) zu lassen. Unsere Wege haben sich an der Brücke getrennt. Ich, immerhin Besitzer eines Autos mit Schiebedach, bin über Zeltingen-Rachtig nach Bernkastel-Kues gefahren, das Cabrio ist auf der anderen Moselseite in Richtung Wehlen davongerauscht.

Eine halbe Stunde später habe ich die beiden Schweden, Frau und Mann, dann in Bernkastel-Kues in voller Lebensgröße gesehen. Sie trugen gerade ihr Gepäck in ein Hotel mit angegliederter Weinhandlung.

Ich lag also mit meiner Vermutung über den Grund der Visite richtig. Eines habe ich aber auf den ersten Blick gesehen. Viel Platz, um Wein mitzuholen, ist in einem solch zweisitzigen Wagen nicht. Aber vielleicht lassen sich die beiden ihr Gepäck nachschicken und füllen stattdessen den Kofferraum mit Flaschen.