1. Meinung

Im Rausch der Sinne

Im Rausch der Sinne

Als Teilzeitweintrinkerin besuche ich ab und an Weinmessen, denn gerade dort sind Tropfen zu entdecken, die beim Weinhändler um die Ecke oder im Supermarkt nicht im Regal stehen. Blutrote sanfte Spanier, vollmundige Italiener, würzige Österreicher oder sündhaft teure Franzosen – eine Messe ist wie ein Schlaraffenland. Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer oder der Kern in der Traube.

Mehrere Dutzend Winzer bieten Tausende von Weinen auf Hunderten von Quadratmetern an. Wo anfangen und wo aufhören? Einfach beim ersten Stand an den Start gehen und so lange probieren, bis man lallend zusammenbricht oder in die Sanitätsecke geschleppt wird? Selbst wer nur ein oder zwei Schlückchen probiert, sieht nach Wein Nummer 20 leicht doppelt und sehnt sich bei Nummer 25 nach einem Sofa. Trinkerpech, wenn man die Kunst des Spuckens nicht beherrscht. Damit Sie Messen vielleicht angeheitert, doch durchaus aufrechten Ganges verlassen können, habe ich folgende Methode entwickelt: Zuallererst überlege ich genau, was ich gerne probieren möchte: Bei Rieslingproben am liebsten die feinherben und fruchtsüßen Weine (die haben auch nicht so viel Alkohol), Sekt erst zum Schluss, wenn ich mich noch fit fühle - dann darf's gerne auch ein Schluck mehr sein. Bei internationalen Messen kon-zentriere ich mich auf die Länder, die mich am meisten interessieren. Da haben es mir die roten Österreicher angetan, unter denen es oft fantastische Tropfen im mittleren Preissegment gibt. Oder auch Exoten wie die Weine im Osten der USA. Tja, und so ist jeder Teilzeittrinker in der Lage, sich nach einer Verkostung noch daran zu erinnern, was er eigentlich probiert hat und wie er nach Hause gekommen ist.