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Kolumne Auslese: Wetter-Kapriolen und der Wein

Auslese : Wetter-Kapriolen und Wein

Von März bis Mai war der Himmel die meiste Zeit blau – die Sonne strahlte mit aller Kraft, die im Frühling möglich ist. Dann wurde es wieder kühler und es regnete: Das Wetter spielt immer mal wieder verrückt, und durch den Klimawandel wird das alles noch verrückter.

Für den Weinbau sind diese „verrückten“ Wochen eine wichtige Phase, denn es ist die Zeit der Rebblüte. Die hat durch das sonnige Wetter bereits Ende Mai und damit etwa zehn Tage früher als im Durchschnitt begonnen. Das kühlere Wetter der vergangenen Tage hat diesen Prozess wiederum verlangsamt, so das an manchen Rebstöcken noch Blüten, an anderen schon kleine Träubchen zu sehen sind, je nach Lage des Weinbergs.

Solche Wetterkapriolen wirken sich damit auch auf die Weinlese selbst aus, denn die startet meist etwa 100 Tage nach der Rebblüte. Daher wird es in den besonders sonnigen Lagen wohl schon Anfang September und damit recht früh mit der Lese losgehen. Manche Experten gehen davon aus, dass es sogar schon im August den ersten Federweißen in Deutschland geben wird – eigentlich ist das ja ein Getränk für den Herbst, flankiert von Zwiebelkuchen oder Flammkuchen.

Aber vieles bleibt jetzt noch spekulativ, denn man weiß nicht, wie die nächsten 100 Tage werden: Gibt es wieder so einen trockenen Sommer wie in den vergangenen zwei Jahren? Oder folgt eine längere kältere Periode?

All diese Faktoren werden sich auf die Qualitäten und natürlich auch auf die Mengen des Weins auswirken. Das Wetter ist damit einer der besonders stark schwankenden – neudeutsch: „volatilen“ – Faktoren, die den Charakter jedes Jahrgangs ausmachen, während andere Größen wie der Mineralstoffgehalt des Bodens eher konstant bleiben.

Das sorgt dafür, dass jeder Wein, jedes Weingut in unserer Region einzigartig ist und bleibt. Es ist eben jedes Jahr eine Überraschung, den neuen Jahrgang zu verkosten.

hp.linz@volksfreund.de