1. Meinung

Kolumne zum Thema Wein vom Discounter oder vom Winzer?

Weinbau : Wie teuer darf ein Wein sein?

Was darf eine Flasche Wein kosten?, fragte mich vor einiger Zeit ein Kollege. Ich antwortete: Das ist so, als würdest du fragen: Was darf ein Paar Schuhe kosten? Die einen sind mit Deichmann zufrieden, die anderen mit Designerschuhen.

Tatsächlich ist diese Frage schwer, wenn nicht gar unmöglich zu beantworten. Auf jeden Fall gibt es dazu keine pauschale Auskunft, jedenfalls nicht von mir. Das fängt damit an, ob ich meinen Wein beim Discounter kaufe oder beim Winzer. Der Winzer kann seinen Wein natürlich nicht zu Discounterpreisen verkaufen. Schließlich muss er als Selbstständiger von seinem Betrieb leben. Dennoch findet man an der Mosel immer noch Winzer, die zu sagenhaft günstigen Preisen ihren Wein anbieten. Viele dieser Weine sind gut, was der Winzer dafür kassiert, grenzt allerdings oft an Selbstausbeutung.

Denn selbst bei einem „nur“ ordentlich gemachten Tropfen steckt jede Menge Arbeit drin. Mal ganz abgesehen von den Unbillen der Natur wie Hagel, Frost oder Starkregen, die eine Ernte mit einem Schlag vernichten kann. Wenn ich Wein trinke, habe ich stets Respekt vor der Arbeit des Winzers und den Herausforderungen vor denen er jedes Jahr aufs Neue steht. Manche Weine ringen mir geradezu Bewunderung ab und ich bin gerne bereit, dafür mehr auszugeben, um ein Abendessen mit Freunden oder eine Familienfeier aufzuwerten. Wer möchte nicht, dass seine Arbeit wertgeschätzt wird?

Wer guten Wein mag – und nicht meint, 2,99 Euro sei teuer genug – dem rate ich, eine Probe bei einem Winzer zu machen und sich von dessen Leidenschaft und Liebe zu seiner Arbeit mitreißen zu lassen. Ich wette, anschließend schätzt so manch einer das Kulturgut Wein mehr wert als vorher. Vielleicht dämmert es sogar dem ein oder anderen, dass dieses handwerklich gemachte Produkt bei einigen Winzern viel zu billig ist (Ich hoffe es jedenfalls inständig). Dann wird er sich die Frage, wieviel ein Wein kosten sollte, offen und ehrlich selbst beantworten können.

v.kerl@volksfreund.de