Nicht noch mehr Reben in Europa

Nicht noch mehr Reben in Europa

Die Mosel ist ein kleines und feines Weinanbaugebiet. Dort wachsen 8800 Hektar Reben. Zum Vergleich: Weltweit beträgt die Weinanbaufläche etwa 7,5 Millionen Hektar – also fast 1000-mal so viel.

In den großen europäischen Weinbauländern wie Spanien, Italien und Frankreich ist die Rebfläche in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Immer mehr Reben haben hingegen die Winzer in Australien, Chile, Südafrika und Argentinien angepflanzt. In Übersee gibt es keinen Anbaustopp. Wer meint, auf seinem Stück Land wächst Wein, darf Reben pflanzen - so viele, wie er will.

Anders in Europa. Die Ausweitung von Rebflächen wurde durch eine 1976 verfasste Verordnung verboten, um Überproduktionen zu vermeiden. In den 70er und 80er wurden in Europa Unmengen von Wein zu Industriealkohol verspritet, um die Weinseen auszutrocknen.

Ist es bald wieder soweit? Durchaus möglich, denn in wenigen Jahren soll es den Anbaustopp für Reben nach einer Entscheidung der EU-Kommission nicht mehr geben. Noch wehren sich zahlreiche Weinbauländer, vor allem Deutschland, dagegen, doch Brüssel ist immer für widersinnige Entscheidungen gut. Noch mehr Reben - davon würden vor allem die effektivsten Weinerzeuger, sprich Großkonzerne profitieren.

Der Weinbau als Industriezweig - für mich eine beängstigende Vorstellung. Es wäre ein Schlag ins Gesicht der Kleinerzeuger, vor allem der Winzer, die ihre Reben wie an der Mosel in Steillagen anbauen. Ein Ende des Anbaustopps - das würde bedeuten, dass nicht nur in Frankreich, Italien und Spanien mehr Wein produziert wird. Auch auf ebenen und fruchtbaren Flächen in Rheinhessen und der Pfalz, auf denen heute noch Rüben, Salat und Kohlköpfe wachsen, würden bald Reben gedeihen.