1. Meinung

Rote Mittelmäßigkeit

Rote Mittelmäßigkeit

Rotwein von der Mosel: Spitzengewächse sind sehr selten


In Kürze erscheinen mit dem Eichelmann und Gault Millau die beiden wichtigsten deutschen Weinführer. Weingüter von der Mosel, und das dürfte keine Überraschung sein, werden wohl wieder überdurchschnittlich oft in der Spitzengruppe vertreten sein.
Der Grund: Der Riesling macht's. Es gibt für die steilen Schieferhänge keine bessere Rebsorte. Diese Weine sind einzigartig und unverwechselbar.
Rotweine von der Mosel haben es hingegen, bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen, noch nicht in die Kategorie Weltklasse geschafft. Rotweine aus anderen deutschen Anbaugebieten wie Baden oder Württemberg allerdings schon. Der Hauptgrund: Ein Spitzenrotwein wächst in einem nördlichen Weinbaugebiet wie der Mosel nur in einer Spitzenlage. Diese sind aber - zu Recht - für den Riesling reserviert.
Die große Masse der Mosel-Rotweine wird aber in den flachen Lagen angebaut. Vor allem der Dornfelder, der große Mengen bei oftmals nur sehr mäßiger Qualität liefert, wächst vornehmlich in Lagen, die keine großen Weine hervorbringen können. Eine dunkle Farbe und ein gerbstoffbetonter Geschmack machen halt noch keinen guten Rotwein.
Rotweinsorten wurden 1987 an der Mosel zugelassen. Es war eine Forderung der Winzer. In kurzer Zeit waren knapp zehn Prozent der Mosel-Weinbaufläche mit roten Sorten bestockt. Für sie musste vor allem der Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt, weichen. Die Rotweinfläche an der Mosel ist in den vergangenen Jahren nicht mehr größer geworden. Gut so. Die knapp 800 Hektar reichen. Mosel-Rotweine sind für das Image der Mosel kein großer Gewinn. Aber immerhin sind sie, weil die Menge klein ist, und hoffentlich auch bleibt, etwas Besonderes.
Winfried Simon
w.simon@volksfreund.de