1. Meinung

Selbstbewusstsein ist vorhanden

Selbstbewusstsein ist vorhanden

Vor einem Monat habe ich an dieser Stelle unter der Überschrift „Von Schnöseln und netten Kunden“ von einem Gespräch mit einem Winzer berichtet. Der hatte mir von zwei Leuten erzählt, die seinen Spätburgunder verschmähten, weil er ihnen zu billig war. Unter 25 Euro pro Flasche gehe gar nichts.

Daraufhin hat sich ein anderer Winzer bei mir gemeldet. Sein Tenor: "Es gibt auf der Welt so gut wie kein Qualitätsweinanbaugebiet mehr, das im internationalen Vergleich derart billig seine Kostbarkeiten verschleudert wie wir hier an der Mosel. Da sind wir traurige Rekordhalter." Das Grundproblem seien nicht die Kunden, die 25 Euro pro Flasche ausgeben möchten, selbst wenn es sich um Snobs handeln sollte.

Ein weiteres Zitat: Das Problem sind wir Winzer und die mangelnde Kenntnis vieler Winzerkollegen über die internationalen Verhältnisse. Das mündet in einem fast nicht existenten Selbstbewusstsein. Hier ist die Ursache für das durchschnittlich zu niedrige Preisniveau zu suchen. Ende des Zitats. Die hiesigen Winzer müssten über ihren Tellerrand hinaus schauen und mehr mit hochpreisigen Erzeugnissen anderer Regionen vergleichen. Das Fazit werde sein, dass die Mosel nicht schlechter aber viel billiger sei. Letzter Satz: Wir brauchen die 25 Euro pro Flasche sogar sehr, wenn wir nicht noch einmal 2000 Hektar Mosel-Steillagen brachfallen sehen wollen.

Ich hatte damals geschrieben, dass es für Winzer nicht einfach sei, ihre Preise mal eben zu verdoppeln oder zu verdreifachen, um einen solchen Preis zu erzielen. An Selbstbewusstsein mangelt es gerade der jungen Generation nicht. Aber sie wissen auch, dass die Preisgestaltung ein Prozess ist. Dass der Moselwein im Vergleich zu anderen Rebensäften zu billig ist, steht aber auch für mich außer Frage.