Tolle Weine und ein kleiner Makel

Tolle Weine und ein kleiner Makel

Hurra, der Sommer ist da! Zumindest in dieser Woche hat er sich von seiner schönsten Seite gezeigt. Was das bedeutet? Ich habe zu Wochenanfang ein paar Flaschen Wein kühl gestellt. Die Nachbarn sind seit Montag aus dem Urlaub zurück und haben dann auch bei einem Glas auf der Terrasse von ihren Erlebnissen berichtet.

Im Freien genossen habe ich den Moselwein aber schon ein paar Tage vorher in einer Gutsschenke und mit Blick auf die Mosel. Zum Essen bestellte ich zwei unterschiedliche feinherbe Rieslinge aus dem Jahrgang 2011 - einen Kabinett aus dem Graacher Himmelreich und einen aus der Wehlener Sonnenuhr. Zwei Traumweine und gleichzeitig zwei Alleskönner, die auch ohne Begleiter aus der Küche ideale Weggefährten sind. Ähnlich begeistert über Wein und Essen war ich vor einigen Wochen auch in einem Betrieb in einem anderen Moselort. Doch meine Frau und ich verließen das wunderschöne Lokal etwas irritiert. Während wir aßen, stellte die Serviererin wortlos ein Reservierungsschild für Gäste, die gerade per Telefon nach freien Plätzen gefragt hatten, vor uns auf den Tisch. Wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, und es hat uns auch niemand gedrängt. Aber was wäre gewesen, wenn wir Lust bekommen hätten, noch länger sitzen zu bleiben und noch einen Wein zu trinken? Wir wissen es nicht und haben auch nicht nachgefragt. Ein kleiner Makel bleibt also, obwohl sonst alles perfekt war. Ob Einheimischer oder Urlauber: Er sollte sich zu 100 Prozent willkommen fühlen und nicht nur als zahlender Gast oder notwendiges Übel. Leider war dies nicht das erste Ärgernis bei einem Lokalbesuch in der Region. Ich erinnere mich an ein Restaurant, in dem wir für vier Personen 100 Euro berappten, aber schief angeschaut wurden, weil wir auf Vorspeise beziehungsweise Dessert verzichteten. Ich habe selten so gut gegessen, aber dort gehen wir nicht mehr hin.

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