1. Meinung

Verona Kerl zum neuen Magazin des Gault&Millau und Thomas Schanz

Feinschmecker : Spitzenköche und Gourmet-Magazine

Nun hat also der Gault&Millau – bekannt als renommierter Restaurantführer – ein neues Magazin herausgebracht. Das Editorial der ersten Ausgabe beginnt verheißungsvoll mit den Zeilen: „Liebe Freunde des guten Geschmacks...“

Das macht Lust auf mehr. Ich blättere mich durch und entdecke auf Seite 30 einen Text über Zwei-Sterne-Koch Thomas Schanz aus Piesport. Titel: „Ganz ruhig Richtung Perfektion“. Gault&Millau-Autor Christoph Wirtz schreibt über den Gault&Millau-Koch des Jahres 2021. Klingt gut. Was dann folgt, ist weniger erfreulich: „Oh Mosella, du hast ja so viel Wein! Und ranzige Schnitzelbuden und altdeutsche Bierpinten für holländische Bustouristen und schwitzende Radlerhorden in quietschbunter Pelle.“ Sogleich fühle ich mich an den Artikel „Der Schönheit wohnt der Schrecken inne“ von FAZ-Autor Jakob Strobel Y Serra erinnert, der 2013 in der Region so hohe Wellen schlug, dass fast die Mosel aus ihrem Bett schwappte. Auch Strobel Y Serra schrieb von Schnitzelparadiesen und Bierkaschemmen und Moselochsen, bevor er doch noch auf die positiven Dinge zu sprechen kam. Nun also auf ein Neues. Ich ärgere mich über die Arroganz von Autoren sogenannter Premium-Magazine, die offenbar voreingenommen in eine ländliche Region reisen. Ein schaler Beigeschmack bleibt, jenseits des dann folgenden Lobliedes auf Thomas Schanz. Der Schluss setzt meinem Unmut die Krone auf: „Dort, wo sonst dralle Dorfschönheiten als Weinprinzessinnen vom Plakat zwinkern, grüßt jetzt ein junger, schmaler Küchenchef, der sich nicht um PR schert, mit breitem Lächeln und einer Urkunde.“ Ob der in der Region verwurzelte, uneitle Spitzenkoch Schanz dieses Credo auf Kosten von drei hübschen, gar nicht drallen Weinhoheiten, goutiert? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen. Wenn der Gault&Millau solche Aussagen unter gutem Geschmack versteht, dann sagt das einiges über die herablassende Haltung seiner Autoren aus. Die zweite Ausgabe werde ich mir mit Sicherheit nicht kaufen!

v.kerl@volksfreund.de