Auslese : Von der Traube zum Wein

Auslese : Von der Traube zum Wein

Jetzt ist Herbstzeit, Lesezeit, Kellerzeit. Jetzt muss der Winzer/Kellermeister sein ganzes Können beweisen. Die Natur hat das Grundprodukt geliefert, der Winzer kann es formen, es verfeinern und veredeln.

Er muss viele Entscheidungen treffen: Wann ernte ich in welchem Weinberg die Trauben? Muss ich vorlesen, also gute von weniger guten Früchten trennen? Hole ich bei der Kelterung den letzten Tropfen raus oder gehe ich etwas schonender mit dem Lesegut um? Lasse ich in einem Weinberg die Trauben so lange hängen bis es mindestens acht Grad minus ist, um Eiswein zu ernten?

Und wenn der Most im Keller ist, muss er wieder überlegen: Wie viel Fruchtsüße soll der Wein haben? Ein trockener Wein muss anders behandelt werden als ein süßer. Und: Setze ich Reinzuchthefe zu oder lasse ich den Most spontan vergären? Wann entferne ich die Hefe aus dem vergorenen Most? Wie lange belasse ich den „fertigen Wein“ im Fass oder im Tank, bevor er in Flaschen gefüllt wird? Jeder Winzer hat seine eigene Philosophie, wie er seinen Wein „macht“. Dabei muss er vor allem an seine Kunden denken. Bevorzugen sie trockene oder liebliche Weine? Ist die Nachfrage nach einem einfachen Schoppenwein groß oder gehen besonders gut edle Spät- und Auslesen?

Die meisten Winzer haben viel Erfahrung. Aber sie stehen jedes Jahr vor einer neuen Herausforderung, denn jeder Jahrgang ist anders.

w.simon@volksfreund.de

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