Von Weinkennern und Weintrinkern

Von Weinkennern und Weintrinkern

Die Weinwelt lacht über Günther Jauch. Vor ein paar Tagen erlaubte sich SWR-Fernseh-Chefredakteur Fritz Frey einen Scherz mit dem Moderator, indem er ihm beim SWR Uni-Talk ein Glas Wein anbot, den Jauch als „Fusel“ bezeichnete (der TV berichtete).

Der frischgebackene Weingutsbesitzer hatte seinen eigenen Wein nicht erkannt! Zwar versuchte Jauch sich nachher aus der Nummer wieder rauszureden: "Das war alles nicht ernst gemeint", doch da war es schon zu spät. Die Anekdote kursierte schon längst in allen Medien, und die Schadenfreude stieg proportional zur Beliebtheit des Moderators. Wie tolpatschig!

Aber Moment mal: Fassen Sie sich jetzt bitte alle mal selbst an die Nase und überlegen Sie eine Weile ganz genau. Na? Hand aufs Herz. Wenn Sie ehrlich sind, fallen Ihnen bestimmt ein paar Gelegenheiten ein, wo es Ihnen genau wie Günther Jauch ging. Wie dem gut situierten Herrn, der eine Kiste Wein aus Frankreich in ein Restaurant mit angegliedertem Weingut brachte und den Service darum bat, beim Hauptgang nur diesen einen Rotwein auszuschenken. Gesagt, getan. Der Rotwein füllte die Gläser, und der Weinkenner philosophierte über die tiefrote Farbe, die Komplexität und den langen Abgang. Was für ein hervorragender Tropfen! So einen findet man nur in Frankreich. Angelockt von dieser Schwärmerei schaute der Koch vorbei und entdeckte die noch verschlossene Weinkiste in einer Ecke. Das Blut stieg ihm in den Kopf, als er feststellte, dass statt des vielgepriesenen Franzosen der einfache Rotwein des Weinguts die Kehlen der Gäste runterrann. Verlegen beichtete er dies dem Gastgeber. Doch der blieb cool und meinte nur: "Macht nichts. Der war auch gut."

Nebenbei bemerkt: Auch alte Hasen sollen schon bei sogenannten Blindproben - also Weinproben, bei denen das Etikett verdeckt wird - ihren eigenen Wein nicht erkannt haben. Verona Kerl