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Warum der 2015er ein ganz großer Jahrgang wird

Warum der 2015er ein ganz großer Jahrgang wird

Mitte Oktober: Noch sind längst nicht alle Rieslingweinberge gelesen, noch reifen in manchen Top-Lagen gesunde, goldgelbe, wunderbar aromatisch schmeckende Trauben. Anfang dieser Woche wurden in den steilen Spitzenlagen bereits außergewöhnlich hohe Mostgewichte gemessen - um die 100 Grad Oechsle. Und das sind Durchschnittswerte. Das hat es zu einem so frühen Zeitpunkt noch nicht gegeben.

Das Mostgewicht, also der Fruchtzuckergehalt, ist das eine. Die Winzer schauen aber mindestens genauso gespannt auf die Säurewerte. Und die sind ideal. Zehn Gramm Säure bei 100 Grad Mostgewicht in den Toplagen - das sind traumhafte Werte. Solche Rieslingtrauben bringen Weine hervor, wie sie nur an der Mosel wachsen können: edel, elegant, frisch und je nach Lage mit dezenter, feiner oder üppiger Frucht.

Die großen Güter werden wohl noch bis Anfang November lesen. Bis dahin werden die Trauben, wenn nicht gerade eine längere Regenperiode einsetzt, noch aromatischer. Denn je später die Trauben gelesen werden, desto weniger Wasser enthalten sie, und damit steigt automatisch der Extrakt-Anteil. Ein hoher Extraktanteil ist ein Indiz für hohe Weinqualität.

Und bis dahin werden auch edelste Beeren- und Trockenbeerenauslesen geerntet - Weine der allerhöchsten Qualitätsstufe.

Die allermeisten haben vorgelesen, also faule Trauben und Beeren aussortiert. Die aufwendige Vorlese, die die großen und hochdekorierten Weingüter schon immer vornahmen, ist inzwischen auch bei vielen Winzern, die auf besondere Qualität Wert legen, gängige Praxis.

Es kommen also mehrere Dinge zusammen: hohe Mostgewichte bei idealen Säurewerten und ein noch mal gestiegenes Qualitätsstreben vieler Winzer.

Die Grundlage für ganz außergewöhnliche Weine ist gelegt.