1. Meinung

Was für ein Sammelsurium

Was für ein Sammelsurium

Das Erbe der urzeitlichen Jäger und Sammler steckt tief in uns. Wenn wir etwas Schönes, Wohlriechendes oder besonders Leckeres sehen, wollen wir es haben. Wir sammeln es ein, oder jagen es so lange, bis wir es besitzen. Egal, was es ist: Briefmarken, Münzen, Ü-Eier, Quietscheentchen, Fußballbildchen, Energy Drink Dosen, Flaschenausgießer, 500-Euro-Scheine, wertvolle Weinflaschen oder Metallkappen, die auf den Ag-raffen sitzen – alles wird gehamstert.

Bislang habe ich die Agraffe, also das Drahtgestell, das den Korken auf der Sektflasche hält, in den Müll geworfen. Ungeachtet dessen, wie die Metallkappe am Kopf oder Helm des Naturkorkens aussieht. Bis ich an einem Weinstand eines Besseren belehrt wurde und mir der stolze Sekthersteller die verschiedenen Motive seiner Metallkappen vorführte. Placomusophilie heißt diese Sammelleidenschaft. Franzosen und Spanier sind ganz verrückt auf die Plaques de Muselets de Champagne, Bouchons de Champagne et plaques oder capsule de champagne (die spanischen Bezeichnungen sind mir leider entfallen). Tatsächlich soll es einen über 5000 Kapseln umfassenden Katalog zu dem Thema und sogar Sammelsysteme geben. Und im Internet (etwa unter www.andellecollection.com) kann man all jene Metallkappen für ein bis zwei Euro kaufen, die noch in der Sammlung fehlen. Ich für meinen Teil würde ja viel lieber gefüllte Weinflaschen sammeln. Einmal bei einer Weinpräsentation so richtig zuschlagen und kaufen, was mir schmeckt und so viel ins Auto passt, das ist mein heimlicher Traum: Ich stapelte dann die erlesensten Beerenauslesen der Versteigerungen vom VdP (Verband deutscher Prädikatsweingüter) und Bernkasteler Ring in unseren Keller und verschenkte gerne die Metallkäppchen aller Sektflaschen, die ich zum Aperitiv trinke.