1. Meinung

Wein und Religion

Auslese : Weintrinken und Religion

Nachdem bei den Christen der Karneval vorbei ist und die Fastenzeit beginnt, haben die Juden in dieser Woche ihr Purim-Fest gefeiert. Nach dem jüdischen Kalender begann es in diesem Jahr am Montag, 9. März, mit Sonnenuntergang und endete mit Anbruch der Nacht am Dienstag, 10. März.

Es erinnert an die Rettung des jüdischen Volkes vor den Persern im Jahr 356 vor Christus. Dieses Ereignis wird in der Synagoge mit einem Gottesdienst gefeiert, bei dem die Freude über die Rettung im Vordergrund steht. Kinder dürfen sich verkleiden, die Menschen sollen  feiern, Essen und Trinken miteinander teilen und sich sogar - so jedenfalls manche Auslegungen - mit koscherem Wein einen Rausch antrinken. Somit war in diesem Jahr für die Mitglieder der jüdischen Gemeinden Karneval nach Aschermittwoch noch lange nicht vorbei.

Wein ist sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Religion ein wichtiger Bestandteil von religiösen Ritualen. Beim Abendmahl steht er in der eucharistischen Verwandlung für das Blut Christi und hat damit einen sehr hohen symbolischen Wert. In der Bibel finden sich  viele Stellen, in denen die Bedeutung von Wein hervorgehoben wird. So ist der Weinstock Symbol der Verbundenheit von Jesus (als Weinstock) mit seinen Gläubigen (Reben). Wein gehört zu unserer Kultur und zu unserer Tradition. Wein war in der Antike  kein billiges Massenprodukt, sondern ein besonderes Gut, das mit viel Mühe und Arbeit erzeugt wurde und wird. Auch wegen dieser Exklusivität hat das Getränk auch so eine große Bedeutung – sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Religion, die ja letztlich auf der jüdischen Tradition basiert.

Und so schwingt beim Weintrinken immer auch ein wenig Historie - und für Gläubige auch ein wenig Religion mit.

hp-linz@volksfreund.de