Weniger Wein, weniger Geld

Weniger Wein, weniger Geld

„Ein perfekter Jahrgang“ lautete die Überschrift unserer Weinkolumne genau vor einem Jahr. In der Tat: Der 2011er war hinsichtlich seiner großen Menge und gleichzeitig hohen Qualität einzigartig. Viel und sehr gut – das gibt es nur ganz selten.

Von einem perfekten Jahrgang kann man in diesem Jahr hingegen nicht sprechen. Vor allem ist er nicht perfekt für die Winzer. Zunächst das Positive. Die Mostgewichte, sprich die Fruchtzuckergehalte der Trauben, liegen dank des goldenen Oktobers wieder deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Spät- und Auslesen wird's geben, vielleicht sogar noch die eine oder andere Beerenauslese. Der 2012er verspricht frische Weine mit feinen Aromen und moderatem Alkoholgehalt. Moseltypisch halt. Der Wermutstropfen ist die Menge. Ein Teil der Fässer wird wohl leer bleiben. Ein Viertel weniger als im vergangenen Jahr und 15 Prozent weniger als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre - das ist schon eine Menge. Eben mal den Preis einer Flasche Wein von beispielsweise 5 auf 5,75 Euro erhöhen - das geht nicht. Das würden die meisten Kunden nicht mitmachen. Die Winzer müssen also Einkommenseinbußen hinnehmen. Schlimmer ist die Situation der Fassweinerzeuger. Sie bekommen eh schon zu wenig für ihren Most und Wein. Und sie haben überhaupt keinen Einfluss auf den Preis ihres Weins. Sie können nur hoffen. Hoffen darauf, dass die großen Lebensmittelketten und Discounter viele Moselweine in die Regale stellen. Aber Aldi & Co. feilschen um jeden Cent. Der Erzeuger ist dabei stets das schwächste Glied in der Kette. Wein gibt's ja genug - ob in der Pfalz, Italien, Spanien oder sonstwo. w.simon@volksfreund.de