1. Meinung

Winfrid Simon über Spitzenweine

Wein : In anderen Sphären

Was ist ein Spitzenweingut? Es ist gar nicht so einfach, dafür eine Definition zu finden. Es gibt ja auch keine. Das eine ist ein Spitzenweingut, weil es sich selbst so nennt, das andere wird von Weinkritikern so genannt, und wieder ein anderes war es immer schon.

Wie viele Spitzenweingüter es in Deutschland wohl geben mag ? 50, 100, 500 ? Gibt man bei Google den Suchbegriff Spitzenweingut ein, erhält man knapp 30 000 Einträge, beim Begriff Spitzenwinzer sogar 50 000. Man landet schnell auf den Seiten von Zeitungen, Zeitschriften, Reiseveranstaltern und auch auf Seiten von Weingütern und Weinhandelshäusern.

Irgendwie hat es den Anschein, dass es immer mehr Spitzenweingüter und Spitzenwinzer gibt. „Das ist spitze“, sagt man. Vielmehr geht auch nicht. Doch. Ein schwindend kleiner Teil von Weingütern erhebt sich noch darüber. Es sind Weingüter, die etwas Geheimnisvolles, fast schon Unnahbares umgibt - Weingüter, deren Namen allein schon phantastisch und sagenumwoben klingen. Das gilt zum Beispiel für das sicherlich berühmteste Weingut der Welt, Chateau Mouton-Rothschild in Bordeaux.

In Deutschland gibt es wohl nur ein Weingut, das an einen solchen fast schon mythischen Ruf herankommt. Das Weingut Egon Müller Scharzhof in Wiltingen an der Saar.

Auf der Versteigerung des Großen Rings im Jahr 2015 in Trier erzielte eine einzige Flasche Riesling Trockenbeerenauslese vom Scharzhofberg die Rekordsumme von 14 566 Euro. Die jährliche Versteigerung in Trier ist wohl auch die einzige Verkaufsveranstaltung in Deutschland, die Egon Müller mit seiner Anwesenheit beehrt. Während andere „Spitzenweingüter“ zum Beispiel auf der Riesenmesse Prowein in Düsseldorf um Kunden buhlen, pflegt Müller weiterhin das extravagante Image seines Weingutes, das sich mit anderen erst gar nicht messen muss. Das ist Marketing vom Allerfeinsten.

mosel@volksfreund.de