1. Meinung

Winfried Simon zur Weinlese 2020

Wein : Wenig Grund zum Klagen

Goldener Oktober – was für eine schöne Bezeichnung für ein mild-sonniges, trockenes Herbstwetter, wenn die tieferstehende Sonne die Natur in ein besonders warmes Licht taucht.

Schön wär‘s gewesen.

Bislang ist das Oktoberwetter alles andere als golden - vielmehr waren die vergangenen zwei Wochen trüb und nass und ziemlich kühl. Ja, es ist ganz schön frisch für die Jahreszeit.

Aber so paradox es klingen mag, die „Kälte“ ist zurzeit das einzig Positive für die Winzer. Wäre es feucht-warm, würden die Trauben schnell faulen und die Winzer wären zu höchster Eile getrieben. Dreiviertel der Trauben an der Mosel dürften zum jetzigen Zeitpunkt geerntet sein. So richtig Spaß gemacht hat es bei den ständigen Regengüssen diesmal nicht. Es hätte besser kommen können.

Aber bei aller Enttäuschung: Es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Die Trauben waren/sind weitestgehend gesund und sie schmecken wunderbar aromatisch. Die Mostgewichte liegen beim Riesling durchweg bei 80 Grad Oechsle und mehr. Allein die ganz großen Spitzenqualitäten dürften in diesem Jahr äußerst knapp ausfallen.

Für die allermeisten Winzer ist das auch kein Problem. Ihnen kommt vielmehr gelegen, dass die Menge überdurchschnittlich ausfällt. Die Fässer und Tanks werden in diesem Jahr voll. Nur in extremen Lagen, dort wo die Reben zu stark unter der Trockenheit gelitten haben, gibt es deutliche Einbußen.

Insgesamt haben die Reben aber das Dürrejahr sehr gut weggesteckt. Für die Natur ist der Regen der vergangenen Tage allerdings ein wahrer Segen.

mosel@volksfreund.de