1. Meinung

Wir Moselochsen

Wir Moselochsen

Volltreffer! Mitten rein ins Herz der Moselaner! Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat mit einer Reportage über den ach so primitiven Moseltourismus eine ganze Region aufgewühlt. Dem Autor Jakob Strobel y Serra kann man nur gratulieren. Er hat sich ins Gespräch gebracht. Man redet über ihn. Genau das wollte er.

Er wollte provozieren und alle Klischees bedienen, die jemals über die Mosel geäußert wurden. Bierkaschemmen, Souvenir-Ramschläden, altdeutsche Gemütlichkeit - das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Repertoire des FAZ-Reporters. Gleichzeitig pickt er sich ein paar Winzer und Gastronomen heraus und lobt sie in den höchsten Tönen.
Eine differenzierte und kritische Betrachtung sieht anders aus. Wäre ja auch langweilig. Wer sich in der heutigen Medienwelt Gehör verschaffen will, muss brüllen, beleidigen, beschädigen.

Was mich aber am meisten ärgert: Er beschimpft nicht nur die Einheimischen als Moselochsen, er diffamiert auch die Gäste, die an die Mosel kommen. "Menschen, die es sich zu Hause vor der Schrankwand Eiche massiv gemütlich machen"; "Camper und Radler, die in einem der sich epidemisch verbreitenden Biergärten hocken", "altbackene Spießer, die in ihren Kunstledersandalen in die lauschigsten Winkel trampeln". Menschen also, die Schnitzel und Pommes essen und keinerlei Ahnung von kulinarischen Köstlichkeiten wie Gänsekeulen-Confit haben.

Eine solch herablassende und dünkelhafte Sichtweise ist unerträglich. Passt aber irgendwie zur elitären FAZ. Wer die liest, muss ein kluger Kopf sein - meint sie zumindest nach eigenem Bekunden. Demnach ist sie also völlig ungeeignet für Moselochsen.