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Auszeit – Die Basketball-Kolumne: Tims texanischer Traum

Auszeit – Die Basketball-Kolumne: Tims texanischer Traum

„Ich habe es geschafft! Ich kann es nicht fassen!“ Mit diesen Worten kommentierte Tim Ohlbrecht in einem sozialen Netzwerk seine Vertragsunterzeichnung beim NBA-Team der Houston Rockets.

Sein Kontrakt läuft vorerst bis zum Ende dieser Saison, kann aber seitens der Rockets um zwei weitere Jahre verlängert werden. Damit ist Ohlbrecht neben Nowitzki und Chris Kaman der dritte Deutsche, der aktuell für eine Mannschaft der besten, spektakulärsten und lukrativsten Liga der Welt auf Korbjagd geht - insgesamt waren es derer nur acht.

So sehr ich mich für Ohlbrecht freue, so sehr hat mich diese Nachricht aber auch überrascht: Trotz seiner jungen 24 Jahre zählt der 2,10 Hüne schon lange zu den bekannten Gesichtern der Bundesliga und kommt mittlerweile schon auf beachtliche 84 Einsätze für die Deutsche Nationalmannschaft. Für meine Begriffe zeigte sich der gebürtige Wuppertaler aber zu inkonstant in seinen Leistungen und konnte nur selten Kapital aus seiner überragenden Athletik schlagen. Demzufolge wurde er in der Bundesliga von Leverkusen über Bonn und Bamberg nach Frankfurt durchgereicht, konnte nirgends Fuß fassen und wurde von vielen belächelt, als er sich 2009 zum NBA-Draft anmeldete.

Man könnte es eine glückliche Fügung, ein Wink des Schicksals oder aber deutscher Ehrgeiz und Zielstrebigkeit nennen, die ihn über Umwege zur richtigen Zeit am richtigen Ort haben sein lassen. Zu Saisonbeginn noch vereinslos, spielte Ohlbrecht ab Oktober bei den Rio Grande Valley Vipers in der wenig lukrativen D-League (Durchschnittseinkommen etwa 30.000 $ pro Saison), einer Art Aufbauliga der NBA, vor und überzeugte die Texaner - der Vertrag mit den Rockets war die Belohnung (Minimalgehalt der NBA ca. 500.000 $). Es bleibt abzuwarten, wie sich Tim entwickeln und ob er sich gegen die besten Spieler der Welt beweisen wird. Bei seinem Debüt gegen die Dallas Mavericks durfte er für fünf Minuten auf das Parkett und erzielte drei Punkte. Nationalmannschaftskollege Jan Jagla twitterte: "Lebe deinen Traum". Dem schließe ich mich an.