Beamtentum macht nicht unglücklich

Beamtentum macht nicht unglücklich

Nur zweierlei auf dieser Erde ist sicher: der Tod und der Arbeitsplatz eines deutschen Beamten. Spötter sehen den Staatsdienst sogar als Vorstufe des Ablebens.

Der Beamte ist für sie jemand, der ein hohes Maß an Sicherheit, aber kaum Freude an der Arbeit genießt. Seine Aufgabe soll dröge, ein Acht-Stunden-Kampf gegen den Schlaf sein. Sein Aufstieg nach Dienstjahren scheint berechenbar wie der Fahrplan eines Provinzbahnhofs. Sind Beamte also unglücklich? Im Gegenteil: Von allen Berufsgruppen sind sie die zufriedenste. Auf einer Skala von eins bis zehn sehen sich die Beamten bei 7,9 Punkten, während der Durchschnitt im Westen bei 7,5, in Ostdeutschland bei 6,9 Punkten liegt. Am öffentlichen Ansehen kann die Zufriedenheit der Beamten nicht liegen: 61 Prozent der Deutschen halten ihnen ihre Privilegien vor. Jeder vierte Deutsche unterstellt ihnen, sie seien faul, träge, unflexibel oder gar korrupt. Die Beamten scheint das nicht zu stören, vielleicht denken sie sich: Von einem guten Ruf, angeblich Goldes wert, kann man sich nichts kaufen - von einem unkündbaren und gut besoldeten Arbeitsplatz durchaus. Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro.