| 20:16 Uhr

Meinung
Das Drama geht weiter

Damian Schwickerath
Damian Schwickerath FOTO: TV / Klaus Kimmling
Das, was die Landesregierung seit Jahren unter dem Titel Kommunalreform verkauft, war, ist und bleibt ein Rohrkrepierer der übelsten Sorte. Von Damian Schwickerath

Denn der eigentliche Geburtsfehler dieser sogenannten Reform wird auch mit den geplanten nächsten Schritten nicht behoben. Was nach wie vor fehlt, ist eine vernünftige, nachvollziehbare und gründliche Aufgabenkritik. Also die Beantwortung von Fragen wie: Wer macht was – und muss das so sein? Was machen wir doppelt – oder verwalten wir uns nicht eher zu Tode? Entscheiden wir manche Dinge im Extremfall auf fünf unterschiedlichen Ebenen? Geht das auch einfacher? Brauchen wir diese ganze zeitraubende und überteuerte Bürokratie wirklich – oder könnten wir auf Verwaltungsungetüme wie ADD oder SGD Nord wirklich nicht verzichten? Oder eben auch auf Kreise, Verbands- und Ortsgemeinden?

All das aber hat nie jemand wirklich von Anfang an gefragt oder vielleicht auch gar nicht wissen wollen.

Stattdessen wurden damals im ersten Schritt ohne vernünftigen Grund die Verbandsgemeinden herausgegriffen. Warum ausgerechnet die? Warum nicht die Landesbehörden oder wenigstens die Kreise? Irgendwie halt ansatzweise von oben nach unten? Und selbst bei dem falschen ersten Schritt gab und gibt es keinerlei Logik. Da wurden Verbandsgemeinden auf der einen Seite Zwangsehen verordnet, während kleine und kleinste Einheiten unangetastet blieben oder längst überfällige Entscheidungen sich ziehen wie Gummi. Das alles lässt sich in der Region Trier an konkreten Beispielen festmachen.

Aber das Drama geht weiter. Jetzt soll also der zweite Schritt folgen: Die Neuordnung der Kreise und Zusammenschlüsse von Ortsgemeinden.

Über beides muss man übrigens reden dürfen. Denn nichts ist für die Ewigkeit. Wenn alles fließt, wie schon die alten Griechen wussten, dann muss es auch möglich sein, über völlig verstaubte, nicht mehr zeitgemäße Verwaltungsstrukturen zu reden, die vor fast 50 Jahren ja auch ziemlich willkürlich zusammengeschustert wurden.

Und über manches Geschrei unmittelbar nach Bekanntwerden der Expertenvorschläge kann man auch getrost den Kopf schütteln. Zum Beispiel bei dem kategorischen Nein der Landräte aus den beiden Eifelkreisen. Wer sich auf der einen Seite brüstet, kreis- und länderübergreifende Eifel-Awards zu verleihen, wer eine gemeinsame Dachmarke Eifel hat, wer im Tourismus eng zusammenarbeitet, wer – wie  Caritasverband und Lebenshilfe – längst kreisübergreifend arbeitet (Letztere übrigens mit Hauptsitz in der Vulkaneifel), der kann doch nicht ernstlich Zeter und Mordio schreien, wenn die Kreise Bitburg-Prüm und Vulkaneifel zusammengefasst werden sollen. Warum denn nicht? Weil es dann nur noch einen Landrat und einen Kreistag gäbe?

d.schwickerath@volksfreund.de