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Gesundheit
Demenz: Das hilft Betroffenen und Angehörigen

Trier. Nachgefragt: Experten beantworteten Leserfragen. Von Katja Bernardy

Ein sensibles Thema, das viele Menschen und Familien betrifft, wurde bei der TV-Telefonaktion besprochen.

Ist Demenz erblich?

Professor Dr. med. Matthias Maschke, Chefarzt der Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frühhabilitation im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier sowie Vorsitzender des Demenzzentrums e.V. Trier: Sind Verwandte ersten Grades an Demenz erkrankt,  erhöht sich das Risiko, selbst an Demenz zu erkranken etwas gegenüber Menschen, in deren Familie keine Demenz auftritt.

 

Kann man etwas tun, um Demenz zu vermeiden?

Maschke: Ja, da kann man einiges tun. Empfehlenswert ist, sich gesund mit mediterraner Kost zu ernähren und  sich regelmäßig zu bewegen. Das heißt, täglich eine halbe bis eine Stunde Sport machen oder spazieren gehen. Auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes sollten gut eingestellt sein. Wichtig sind auch soziale Kontakte, etwa das Treffen von Freunden, und Aktivitäten wie Spiele spielen, singen und musizieren.  

 

Gibt es wirksame Therapien bei Demenz?

Maschke: Es gibt durchaus Therapien, mit denen eine Verbesserung erzielt werden kann. Aber die Wirkung der Medikamente ist noch nicht zufriedenstellend. Wir hoffen, dass es künftig noch wirksamere Medikamente geben wird. Es wird sehr viel in diesem Bereich geforscht.

 

Wie kann ich meine an Demenz erkrankte Mutter beschäftigen und fördern?

Uschi Wihr, Diplom-Sozialpädagogin, Gerontologin und Leiterin des Demenzzentrums e.V. Trier: Demenzkranke können und mögen vor allem Dinge,  die sie früher oft und gerne gemacht haben. Das kann das Spielen von Gesellschaftspielen sein oder der Besuch von Konzerten. Besonders Musik regt an. Beim gemeinsamen Singen können Demenzkranke oftmals ganze Strophen auswendig, obwohl die Sprache vielleicht schon weitestgehend verloren gegangen ist.

 

Welcher Sport kann noch ausgeführt werden?

Wihr: Jeder, den man sich noch zutraut.

Wie wirkt sich Demenz auf einen höheren Pflegegrad aus?

Marion Stein, Leiterin des Patienten-Informationszentrums (PIZ) im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier: Seit dem 2017 eingeführten neuen Gesetz werden kognitive Einschränkungen bei der Einstufung des Pflegegrades stärker berücksichtigt.

 

Ich kümmere mich um meine demenzkranke Mutter. Sie war immer der Fels in der Brandung und ich komme nur schwer damit klar, nun für sie entscheiden zu müssen.

Stein: Der Rollenwechsel von der Tochter zur „Kümmererin“ ist nicht immer einfach. Beispielsweise könnte ein Austausch in einer Selbsthilfegruppe mit anderen pflegenden Angehörigen für Sie hilfreich sein.