1. Meinung

Der Inflationsturbo

Der Inflationsturbo

Bei der Geldentwertung von zwei und mehr Prozent, bei Festgeldzinsen mit einer Null vor dem Komma, Abgeltungssteuer und Soli ist der Kapitalverzehr programmiert.

Indexklauseln, die Löhne, Gehälter und Renten an die Entwicklung der Verbraucherpreise binden, versprechen individuellen Inflationsschutz, heizen aber die Inflation durch das Beschleunigen der Lohnpreisspirale an. Sie wirken wie ein Inflationsturbo. Italien hat deshalb die Scala Mobile (Rolltreppe) bei den Löhnen abgeschafft, Belgien und Luxemburg halten noch an der Indexierung fest. Doch auch in Deutschland nimmt die Indexierung zu. Die risikoreiche Flucht in das Betongold wird zur Falle, wenn Mieten nicht angepasst werden können. Die Indexmiete ist eine der zulässigen Ausnahmen von dem in Deutschland geltenden allgemeinen Indexierungsverbot. Sie koppelt Mietsteigerungen an den Anstieg der Lebenshaltungskosten. Das erspart Streit, schützt den Mieter vor Mieterhöhungen, die mit Modernisierungen begründet werden, es sei denn, sie ist durch die Behörden veranlasst. Sie lässt auch keine weiteren Erhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete zu. Da die Heizenergiepreise zum Preisauftrieb beitragen, zahlt der Indexmieter doppelt: über die Heizkosten und den Heizkostenanteil im Verbraucherpreisindex. Ein kleiner Abschlag wäre nur fair. Gesamtwirtschaftlich ist Indexierung jedoch keine Lösung. Not tut Härte gegenüber den Euro-Weichmachern. Die Finanzierung von Schuldenstaaten ist der EZB verboten. Sie muss sein, was die Bundesbank zu D-Mark-Zeiten war: Hüter der Geldwertstabilität.

Der Autor ist ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.