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Die Geldpresse bleibt (noch) aus

Die Geldpresse bleibt (noch) aus

Die Geldpolitik der 17 Eurostaaten wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert. Und nur drei Tage nachdem der Italiener Mario Draghi vor Wochen sein Amt als Chef der EZB übernommen hatte, senkte die Bank den wichtigen Leitzins.

In Europa hat dieser Einstieg bei einigen Politikern und vielen in der Finanzwelt Sehnsüchte geweckt: "Die EZB muss Geld drucken", ist das Credo in weiten Teilen der Branche. Franzosen, Italiener und Spanier sehnen sich nach einem starken Engagement der Zentralbank.

Vor allem Frankreichs Finanzminister François Baroin hält wenig von deutschen Inflationsängsten und plädiert für ein größeres Eingreifen der europäischen Notenbanker. Mehr Geld im Umlauf, die EZB als Aufkäufer der Staatsanleihen - damit würde es den angezählten Ländern einfacher gemacht, ihre prekäre Schuldensituation in den Griff zu bekommen, und die Wirtschaft würde nicht, wie jetzt in Griechenland, durch die Sparmaßnahmen abgewürgt. Doch zu welchem Preis?

Die EZB ist der Stabilität verpflichtet, sie muss, sollte und will wohl auch weiterhin die Inflation mit einer restriktiven Geldpolitik im Zaum halten. Eine galoppierende Inflation würde das Ersparte der Bürger auffressen. Die Kosten eines ungezügelten Kaufs von Staatsanleihen übersteigt den Nutzen um ein Vielfaches. Gestern nun hat Mario Draghi angekündigt, die EZB lasse sich nicht vor den Karren der Politik spannen, die Unabhängigkeit der Zentralbank sei ihm wichtig. Kanzlerin Merkel dürfte dies mit Genugtuung registriert haben. Denn Deutschland steht mit der zurückhaltenden Geldpolitik derzeit ziemlich einsam da.