Die Prinzessinnen der SPD

Die Prinzessinnen der SPD

Malu Dreyer auf Journalistenreise zum Thema Seniorenwohnen, Malu Dreyer beim Flashmob (kurzer, scheinbar spontaner öffentlicher Menschenauflauf) in Sachen Eingliederung von Behinderten in die Gesellschaft, Doris Ahnen auf Pressereise in Schulen: Beobachter der Landespolitik registrieren ein auffälliges Verhalten zweier wichtiger Ministerinnen der Landesregierung. Beide Sozialdemokratinnen suchen verstärkt die Öffentlichkeit.

Selbst langjährige Insider können sich nicht daran erinnern, dass das je zuvor so der Fall gewesen wäre.
In Zeiten, in denen heftig über die Nachfolge von Ministerpräsident Kurt Beck diskutiert wird, führt das natürlich zwangsläufig zu Spekulationen. Mancher beginnt zu ahnen, dass der nächste Regierungschef eine Frau sein könnte, die eng mit Trier verbunden ist - Doris Ahnen ist hier geboren, Malu Dreyer wohnt hier und bildet ein erfolgreiches Polit-Pärchen mit ihrem Mann, Oberbürgermeister Klaus Jensen.

Natürlich bemerken auch die Kronprinzen - SPD-Fraktionschef Hendrik Hering und Innenminister Roger Lewentz - dass plötzlich viel mehr über die Prinzessinen der SPD geredet wird. Beide schwärmen über ihre Kolleginnen und lassen keinerlei Konkurrenzgedanken erkennen.

Fakt ist: Doris Ahnen und Malu Dreyer stehen für die Kernkompetenzen ihrer Partei. Erstere verantwortet die bundesweit beachtete Bildungspolitik, auf die die SPD sehr stolz ist. Letztere repräsentiert das ebenso wichtige Feld der sozialen Gerechtigkeit.

Möglicherweise ist die Offensive der Aushängeschilder nur der tiefen Sehnsucht der gesamten Landes-SPD geschuldet, endlich die Negativschlagzeilen der Nürburgring-Affäre hinter sich zu lassen und eigene Akzente zu setzen. Und doch fällt zumindest bei Malu Dreyer auf, dass sie zwar die Beck-Nachfolgefrage tabuisiert, aber keinesfalls ihre eigene Kandidatur ausschließt.

Einen gewichtigen Vorteil gegenüber den Herren Hering und Lewentz haben sowohl Doris Ahnen als auch Malu Dreyer: Beide können von der Opposition nicht im geringsten mit dem Nürburgring in Verbindung gebracht werden.
CDU-Chefin Julia Klöckner lässt zwar verlauten, ihr sei es egal, gegen wen sie 2016 bei der nächsten Landtagswahl antrete. Das Unbehagen der Union gegenüber einer Kontrahentin Dreyer ist allerdings deutlich spürbar.