1. Meinung

Die Regie regiert

Die Regie regiert

Tore, Titeljagd und Temperament: Selten hat eine WM so viel Spaß gemacht wie die in Brasilien. Die Begeisterung steckt offenbar besonders die Fans in den Stadien an.

 Die kolumbinischen Fans haben auch einen „Transformer“ in ihren Reihen. Foto: Marius Becker
Die kolumbinischen Fans haben auch einen „Transformer“ in ihren Reihen. Foto: Marius Becker

Wenn die Fifa-Kameras auf sie schwenken und sie auf den Anzeigetafeln zu sehen sind, ändern sich urplötzlich die Gefühlswelten. Fans aus Costa Rica, die eben noch von einem fies-provozierenden holländischen Torwarthelden aus dem Turnier geekelt wurden, fangen plötzlich an zu lachen und zu winken. Keine Spur mehr davon, dass die Gesichter Sekunden zuvor vor Enttäuschung aschfahl waren, die Augen leblos, die Fußballlust bis in alle Ewigkeiten erloschen schien. Fans, die schimpfen und mit den Händen fuchteln, gibt es nicht.

Zumindest nicht in den Fernsehbildern der Fifa. Denn Stimmungsmuffel werden von der Regie gnadenlos ausgeblendet. Das mag schade sein, weil der wahre Ton in Stadien natürlich rauer ist. Andererseits: Wozu überzogene Fan-Begehren führen können, hat Stefan Effenberg bei der WM in den USA 1994 bitter erfahren. Leute auf den Tribünen motzten, der entnervte Effenberg zeigte den Mittelfinger, flog aus dem Kader - und das wenig belustigte Deutschland später gegen Bulgarien aus dem Turnier.

Die neue Jubel-Atmosphäre in den Stadien hat also auch ihre Vorteile. Und schimpfen ist auf der heimischen Couch sowieso am schönsten.