Die Sache mit dem Morgenstress

Die Sache mit dem Morgenstress

Eltern fragen: Ich weiß nicht, wie ich mich in folgender, häufig wiederkehrender Situation richtig oder wenigstens besser verhalten kann: Da mein Mann sehr früh zur Arbeit muss, liegt es an mir, unseren dreijährigen Sohn David morgens in die Kita zu bringen. Leider kommt es bei uns ziemlich regelmäßig zu frühmorgendlichen kleineren Streitereien, weil wir oftmals unter Zeitdruck kommen.

Es eskaliert zumeist im letzten Moment, wenn David sich seine Schuhe und seine Jacke anziehen soll. Ich fordere ihn freundlich auf: "David, jetzt ist es höchste Zeit, dass du dir Schuhe und Jacke anziehst, damit wir pünktlich in der Kita sind!" Aber anstatt dies zu tun, rennt er schon mal einfach weg. Ich versuche, ihn festzuhalten und ermahne ihn: "Wenn Du dich jetzt nicht fertigmachst, kommen wir wieder zu spät." Manchmal ziehe ich ihm dann unter seinem Geschrei die Schuhe an, worauf er sich heulend auf den Boden wirft. Wie kann ich es erreichen, dass wir solche Situationen vermeiden und relativ harmonisch den Tag beginnen können?
Die Expertin antwortet:
Bei zwei Punkten können Sie ansetzen, um die von Ihnen beschriebene Situation besser zu meistern: Zeitdruck ist für einen angenehmen Start in den Tag immer störend: Haben Sie die Möglichkeit, den gesamten morgendlichen Ablauf ein wenig vorzuverlegen oder zu straffen, damit Sie kurz vor dem Verlassen der Wohnung nicht so unter Druck geraten? Planen Sie auf alle Fälle mehr Zeit für den unmittelbaren Aufbruch zur Kita ein.
Kommunikation hilft Konflikte zu lösen: Sprechen Sie in einer ruhigen und entspannten Situation mit David! Schildern Sie ihm, dass Sie sich wünschen, dass es vor dem Verlassen der Wohnung harmonisch zugeht und dass Sie deshalb die Streitereien gerne vermeiden würden! Fragen Sie ihn, warum es seiner Meinung nach mit dem Schuhe- und Jackeanziehen nicht so richtig klappt! Möglicherweise schafft er es ja doch noch nicht, sich die Schuhe eigenständig richtig anzuziehen. Dann üben Sie das geduldig mit ihm, bis er es sicher kann!
Sollte es dennoch wieder zu Konfliktsituationen (auch durch andere Anlässe) kommen, dann versuchen Sie, nicht reflexhaft auf Davids Verhalten zu reagieren, sondern erst einmal tief durchzuatmen bevor Sie reagieren. So gelingt es Ihnen besser, David zu vermitteln, dass Sie ihn mit all seinen Gefühlen, Problemen und Bedürfnissen ernst nehmen und dass Sie sich ihm - wenn er sich wieder etwas beruhigt hat - ganz zuwenden und sich in Ruhe anhören werden, was ihn gerade ärgert oder bedrückt. Dann können sie gemeinsam ohne Stress nach einer guten Lösung suchen. Eltern fragen - Experten antworten: Jeden Donnerstag beantwortet Birgit Storr vom "Arbeitskreis neue Erziehung" an dieser Stelle Elternfragen. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Berlin (www.ane.de) ist vor allem durch seine Elternbriefe bekanntgeworden, die in zahlreichen Kommunen deutschlandweit an junge Eltern versandt werden.
Sie haben eine Frage an Birgit Storr? Mailen Sie an familie@volksfreund.de. Die Antwort im Blatt erfolgt anonym.