1. Meinung

Die Stunde der Kronprinzen in der SPD

Die Stunde der Kronprinzen in der SPD

Malu Dreyer will sich zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Doch was wird aus der Trierer SPD, wenn ihre Lichtgestalt wie angekündigt den Vorsitz im Stadtverband niederlegt?

Die Genossen halten sich in dieser Woche noch bedeckt, wollen "gemeinsam beraten, wer für die Aufgabe die beste Option darstellt und diese Herausforderung annehmen möchte". Im Klartext: Wer kann und will es machen? Vor dieser Frage stand auch die Trierer CDU nach dem Rücktritt ihres Fraktionschefs Berti Adams im März 2011. Kompetente Fraktionskollegen gab es genug, die für den Posten in Frage kamen. Doch Männer wie Thomas Albrecht, Jürgen Plunien, Ulrich Dempfle und Udo Köhler sind beruflich als Oberstaatsanwalt, Abteilungsleiter der Sparkasse, Notar und Architekt voll eingespannt. Da drängte es niemanden in die Fraktionsspitze, die mit zusätzlichen Aufgaben verbunden ist.

Die Wahl fiel schließlich auf Ulrich Dempfle, der seine Bereitschaft wahrscheinlich an die Bedingung knüpfte, dass nicht alles an ihm hängenbleiben darf.

Bei den Genossen gibt es eher ein Überangebot williger Vollblut-Politiker. Sven Teuber führt die Fraktion schon seit 2009, als er noch Lehramtsstudent war. Der 29-Jährige Musterschüler von Malu Dreyer ist auch ihr B-Kandidat für den Landtag und Favorit für den Chefposten im Stadtverband. Doch auch Markus Nöhl (33) hat gerade intern eine starke Stellung in der Partei. Der Historiker und Ministerialreferent ist ebenfalls ein Zögling Dreyers. Die B-Kandidatur für den Bundestag 2013 ist eine Anerkennung seiner Arbeit.

Vielleicht gibt es eine Überraschung, und die Regierungsangestellte Begoña Hermann (56) wird die neue Nummer eins. Doch egal, wen es trifft: Es wird ein enger Vertrauter der künftigen Ministerpräsidentin sein. m.hormes@volksfreund.de