1. Meinung

Corona: Die Zahlen steigen, die Gefahr ist dennoch gering

Die Woche im Blick : Die Debatte um die zweite Welle

Umfragen zeigen: Die Akzeptanz der Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ist bei den meisten Deutschen hoch. Interessanterweise nimmt das Vertrauen in die Rolle des Staats sogar noch zu.

Mit Blick auf die im Vergleich niedrige Zahl der Todesfälle schätzen die meisten Bürger selbst einschneidende Beschränkungen der Freiheitsrechte als akzeptabel ein.

Doch welche Eingriffe sind wie lange gerechtfertigt? Sich darüber Gedanken zu machen, ist nicht nur zulässig, es ist Pflicht für jeden Entscheider, egal ob in der Bundesregierung oder im Gesundheitsamt vor Ort. Und mit Blick auf steigende Zahlen bei den Infektionen ist es eben notwendig, diese ins Verhältnis zu setzen: Es wird etwa wesentlich mehr getestet als vor einigen Monaten. Der Blick auf die so genannte Positivenrate zeigt: Diese ist seit Wochen relativ stabil, schwankt nur leicht. Kurz gesagt: Wer mehr testet, findet auch mehr Fälle. Es ist übrigens davon auszugehen, dass im März und April mehr Infizierte übersehen worden sind, weil mancherorts weniger getestet wurde.

Es ist daher nachvollziehbar, wenn etwa der Bonner Virologe Henrik Streeck vor einem „Dauer-Alarmismus“ warnt. Übrigens betonte auch Christian Drosten in dieser Woche, dass man selbst bei Zahlen wie im April keinen „Lockdown“ mehr machen müsse. Einerseits weil eben „empfindlicher“ gezählt werde, andererseits weil sich derzeit mehr jüngere Menschen infizierten, die weniger häufig schwer erkrankten.

Leider geht unter, dass auch die angeblichen Gegenspieler Streeck und Drosten beide differenzieren. Sie sind daher gerade keine guten Beispiele für Aussagen, dass alles überflüssig ist oder alles viel strenger sein müsste. Kommt es zur zweiten Welle? Das weiß mit Gewissheit niemand. Sind Gedanken über einen Lockdown jetzt notwendig? Sicherlich nicht. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und ein schönes Wochenende!


t.roth@volksfreund.de