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Die Woche im Blick: Und plötzlich grüßen die Ferien ...

Die Woche im Blick : Corona-Tests: Und plötzlich grüßen die Ferien ...

Kennen Sie den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“? Dort erlebt der Hauptdarsteller – Bill Murray als zynischer Wetterexperte Phil Connors – immer wieder denselben Tag. Dabei gerät er in einem Ort, den er zunächst hasst, in die kuriosesten Situationen.

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich bei den Meldungen zum Coronavirus. Jeden Tag Zahlen, jeden Tag Berichte über Hotspots, jeden Tag warnt ein anderer vor der zweiten Welle oder erklärt, warum es diese doch nicht gibt. Wir versuchen dabei, Sie stets beim Wichtigsten auf dem Laufenden zu halten, ohne die anderen Themen zu vernachlässigen.

Vielleicht schätzen selbst Politiker jeden Tag wie den zuvor ein. Immer wieder kommt ein Thema auf, immer wieder muss auf ähnliche Probleme reagiert werden. Eine Vermutung muss einem aber doch kommen, etwa mit Blick auf die Diskussion um Corona-Tests nach dem Urlaub. Die Hauptdarsteller in diesem realen Corona-Film im Jahr 2020  erleben immer wieder denselben Tag, ohne sich erinnern zu können, was bereits geschah. Wie sonst konnte es passieren, dass nun erst über die Frage diskutiert wird, wie Tests nach dem Urlaub ablaufen und wo sie angeboten werden.

Ohne so zynisch wie Phil Connors zu werden: Die Hälfte der Schulferien in Rheinland-Pfalz ist vorbei. Und nun fällt es auf, dass die Menschen Urlaub in anderen Ländern gemacht haben? Plötzlich reift der Gedanke, dass Tests keine schlechte Idee wären? Es ist nicht zu fassen, dass sowohl der Bund als auch die Bundesländer kein fertiges Konzept beschlossen haben. Spätestens seit März war klar, dass Sars-CoV-2 uns länger beschäftigen wird. Und obwohl das Robert Koch-Institut noch in dieser Woche darauf hingewiesen hat, dass die meisten Infektionen innerhalb Deutschlands übertragen werden. Die Gefahren lauern gerade in Regionen, in denen etwa nur wenige Tests stattfinden. Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass in manchem Land, das nicht als Risikogebiet eingestuft wird, die Gefahr größer ist als etwa bei unseren Nachbarn in Luxemburg. Dort gibt es Massentests, dort gibt es die meisten Infektionen eher in den Gebieten, die weit weg von Deutschland liegen.

Das ist kein Plädoyer, alle Zahlen aus Luxemburg unkritisch zu betrachten. Dennoch gibt es genügend Gründe dafür, keine Verschärfungen über die bisherigen Regeln hinaus einzuführen. Dass uns das Ministerium am Freitag doch noch mitteilte, dass die 72-Stunden-Regel für Deutsche weiter gelte, ist ein gutes Zeichen. Dass dies zuvor aber nicht den Nachbarn mitgeteilt worden war und etwa Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn von Pflichttests für alle Grenzgänger ausging, zeigt dagegen: Die Kommunikation der Landesregierung und des Bundes mit den besten Freunden in Europa ist in der Corona-Krise nach über vier Monaten immer noch zum Schämen.

Wie schön wäre es, wenn sich zumindest dies nicht wie im übrigens immer noch empfehlenswerten Film (mit Happy End) so oft wiederholen würde.

t.roth@volksfreund.de