Eine gute Nachricht für Schulen ist der Digitalpakt

Die Woche im Blick : Bildung – in ganz kleinen Schritten

Eine gute Nachricht für Schulen: Mehr als fünf Milliarden Euro stellt der Bund mit dem Digitalpakt bereit – für Tablets, Laptops, für Internetanschlüsse, für Fortbildung. Gegen diese Förderung kann niemand etwas haben – obwohl sich zeigt, dass es vor Ort, bei Ländern und Kommunen, noch vieles zu klären gibt.

Wer etwa kümmert sich um die technischen Geräte? Wer sorgt für Wartung und Updates? Und vor allem: Wer sorgt dafür, dass Kinder und Jugendliche nicht nur mit neuester Technik lernen, sondern zudem in bestmöglicher Qualität? Lehrer sind pädagogisch geschult worden, um Jungen und Mädchen zu unterrichten. Lehrer müssen selbstverständlich offen für neue Technik sein. Sie nebenbei zum IT-Experten auszubilden, das ist aber der falsche Weg. An den Schulen ist daher neues Personal notwendig – und das kostet wieder Geld.

Es ist ein Armutszeugnis, dass es nach der ersten Zusage der Milliardenhilfe zwei Jahre bis zum endgültigen Ja gedauert hat. Zunächst hatte die damalige Forschungsministerin Johanna Wanka wohl zu forsch die Hilfen verkündet – und damit den in dieser Zeit für Finanzen zuständigen Wolfgang Schäuble verärgert. Und dann? Folgte ein Zuständigkeitsgerangel zwischen Bund und Ländern, das in dieser Form kein Außenstehender verstehen konnte. Aus der wirklich guten Idee wurde ein Dauerärgernis.

Manches erinnert an die Inklusion an Schulen. Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam: Das ist der lobenswerte Grundgedanke. Mit großem Enthusiasmus gestartet, sorgte die Umsetzung aber – mangels Geld und Personal – an mancher Schule für Ernüchterung. Wer sich umhört, stellt fest: Lehrer sind ohne Unterstützung überfordert, Eltern streiten darum, wer in welcher Klasse wie schnell lernen kann, und die Schüler sind dazwischen gefangen. Und das muss ebenfalls offen angesprochen werden: Auf die vielen neuen Schüler nach 2015 waren unsere Schulen ebenfalls nicht eingerichtet – nicht räumlich, nicht personell und schon gar nicht konzeptionell.

Zusätzliches Problem in Rheinland-Pfalz: Die Realschulen plus mussten in den vergangenen Jahren nicht nur durch die Inklusion Aufgaben übernehmen, die es vorher nur an Förderschulen gab. Sie mussten zudem alle Jungen und Mädchen von Hauptschulen aufnehmen. Elternvertreter warnen deshalb davor, dass nun Realschulen wie vorher Hauptschulen um ihre Akzeptanz kämpfen.

Und was ist nun die Lösung? Sicher nicht eine weitere Zusammenlegung der Schularten. Es zeigt sich übrigens: In Deutschland und anderen Ländern sind diejenigen besonders erfolgreich, die Grundstrukturen nicht jedes Jahr ändern. Konstanz im Großen ist wichtig – um den Unterricht und andere Themen im Kleinen immer wieder schnell anpassen zu können. Notwendig ist aber, die Bildung wirklich in allen Bundesländern und im Bund endlich als Thema Nummer eins zu erkennen. Wenn wir hier nicht besser werden, sind alle Debatten über Mindestrenten oder Steuersenkungen überflüssig. Oder wie es John F. Kennedy einst feststellte: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

t.roth@volksfreund.de