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Die Woche im Blick: Wenn nur noch Streit herrscht

Die Woche im Blick : Wenn nur noch Streit herrscht

Was passiert, wenn man nicht mehr miteinander reden kann, hat sich in dieser Woche in den USA gezeigt. Fernseh-Rededuelle vor Wahlen sind schon oft – auch bei uns – anstrengend gewesen, weil der oder die eine dem oder der anderen ins Wort fällt.

Doch mit Blick in die USA ist das Wort Schlammschlacht noch harmlos. Sogar die leidgewohnten US-Amerikaner empfanden das Duell mehrheitlich vor allem als anstrengend. Und es droht noch mehr als Streit – der US-Präsident klang so, als ob er Unruhen herbeireden wollte.

In Deutschland sind wir glücklicherweise – trotz manch nervender Talkshow-Debatte – davon weit entfernt. So konnten sich die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin immerhin auf ein einheitlicheres Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus einigen. Strafen für falsche Angaben in Restaurants und das Verbot größerer Feiern ab bestimmten Infektionszahlen sind dafür ein Beispiel. Und selbst wenn dies nicht bewiesen werden kann: Die Debatte, aber auch einheitlichere Corona-Maßnahmen als in den USA sind ein Faktor für die guten Zahlen in unserem Land.

Einheitlich werden voraussichtlich auch bald wieder die Regeln für Ein- und Ausreise in Corona-Risikogebiete sein. Wie wir erfahren haben, soll es etwa Luxemburgern dann möglich sein, für kurze Besuche oder Einkäufe über die Grenze zu fahren. Das ist mit Blick auf unser Nachbarland, in dem sehr viel getestet wird, sinnvoll und kein großes Risiko. Warum dies allerdings für andere Länder genauso gelten soll, in denen sich das Virus stärker ausbreitet, bleibt dagegen unklar.

Die Diskussion darüber sollte noch einmal geführt werden. Und sie ist hoffentlich eine, die ebenso in anständigem Ton ausgetragen wird. Ebenso wie die über die Corona-Ampel, die in Rheinland-Pfalz eingeführt worden ist. Diese ist, da sie nur auf neuen Infektionen beruht, zwar leicht verständlich. Doch da die Folgen, gerade wegen der Eindimensionalität, doch wieder individuell sein werden, schafft sie dennoch nicht mehr Übersichtlichkeit.
t.roth@volksfreund.de