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Die Zwiebelblumenzeit beginnt

Kathrin Hofmeister.Foto: privat
Kathrin Hofmeister.Foto: privat
Ende August steht in meinem Gartenkalender: „lieber türkisch als katholisch“. Was hatte ich mir dabei nur gedacht? Ja richtig, erstens: Parolen, die einen stutzig machen, stellen sicher, dass man auch wirklich tut, was in der gärtnerischen To-do-Liste steht. Kathrin Hofmeister

Zweitens: Ich will Narzissen setzen, und zwar so früh wie möglich. Je früher Narzissen in den Boden kommen, umso besser wachsen sie.

Die Eselsbrücke führt von den Zwiebelblumen wie folgt zum Slogan der Aufständischen in den Niederlanden zur Wendezeit vom 16. zum 17. Jahrhundert. Die liberalen Niederlande lagen im religiösen Krieg mit dem katholischen Spanien. Gleichzeitig war die Türkei der wichtigste Handelspartner geworden. Die holländischen Kaufleute waren fasziniert von der türkischen Kultur und witterten mit den Tulpen und Narzissen aus dem Nahen Osten das Geschäft ihres Lebens. In Holland setzte eine regelrechte Tulpomanie ein. Für hochdotierte Sorten konnte schon mal ein Schmuckhaus an einer der Grachten als spekulativer Kaufpreis eingesetzt werden. Viele verspekulierten sich und waren ruiniert. Das kann einem heute noch passieren.

In meinem Garten hat der Begriff Spekulationsobjekt Tulpe eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Frage ist nicht, ist die gefragte perlmuttweiß-grün gestreifte Viridiflora-Tulpe Spring Green in einer Staudenpflanzung ihr Geld wert, sondern, fällt sie dem Mäusefraß zum Opfer? Mit Narzissen kann einem das nicht passieren. Mäuse fressen keine Narzissenzwiebeln. Eigentlich müsste im Kalender stehen: "lieber Narzissen als Tulpen".

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