Eifel-Einsichten: Das Mai-Mirakel von Stadtkyll

Eifel-Einsichten : Das Mai-Mirakel von Stadtkyll

Ich künde, Leser, von einem Wunder. Es ereignete sich in einer Maiennacht am Rande des Dorfes Stadtkyll, in einer verwunschenen Waldgemarkung, die den Ortskundigen als „Die Herk“ seit alter Zeit bekannt ist. Dorthin begab sich die fromme, überkonfessionelle Gruppe der Mittwochsradler (weil: ein Evangele dabei).

Das Ziel: Die Waldhütte von Bohle Schäng, nun im Besitz seines wohlgeratenen Erben Berni, ehemals, wie er sagt, "Rheinlandmeister im Messdienen", um dort eine Maiandacht zu feiern (ja, auch ich, Leser, durfte schon an diesem heiligen Orte den Göttern der Brau- und Branntkunst intensiv huldigen). Nach, schreibt Berni, "stundenlangem andächtigen Verweilen in der Herk-Kapelle", habe man schließlich, sturzglaubenstrunken, die Heimfahrt angetreten.

Doch war es dunkel, schon tiefe Nacht - und ebenso tief dräuten die Schlaglöcher gähnend auf der Piste. Und so geschah es: Peng! Zwo fromme Pilger, die an der Spitze der Prozession fuhren, stürzten in- und übereinander. Doch siehe: Sie standen auf, intakt, und auch die Räder blieben heil. Tränenblind dankten die Wallfahrer der hl. Mutter Maria, der sie, so Bernds Bericht, bereits "zuvor in der Andacht immer wieder kräftig zugeprostet hatten".

Ja, Leser, dies ist wirklich passiert und zeugt von der tiefen Trinkfes... äh ... Frömmigkeit der Radpilger. Zum Zeugnis erinnert fürderhin, tief im Eifelwalde, ein Schrein samt Schrifttafel an dies' Mirakel. Und Bernd, beseelt von den Ereignissen jener Nacht, zimmerte zu Ehren Mariens sogar noch ein Holzfahrrädchen, um es dort zu platzieren.
Toll. Noch toller, sagt Bernd, sei es, wenn fremdes Wandervolk am Schrein innehalte: "Da stehen dann die Holländer und kratzen sich am Kopp."

So schließt nun mein Bericht. Und du, Pilger, zu Fuß oder im Sattel, bedenke stets die Mahnung: Et jit net jerannt.