1. Meinung

Eifel-Einsichten: Tant Tilda holt uns alle mit!

Kolumne Eifel-Einsichten : Wer die Tant noch net  kannt‘

In Arzfeld gewesen. Geweint.

Und damit ist über „Tant Tilda gett 90“, die Eifeler Musikrevue von Dirk („Schachgenie“) Klinkhammer, alles gesagt, nur eben viel zu kurz (Ach so, Dirk, wann spielen wir unsere Partie? Oder haste Schiss?). Also nomma neu: Wir hatten uns, nachdem Kollegin Dagmar über die Tilda-Premiere in Bitburg so schön berichtet hatte, dazu entschlossen, schon zur Arzfelder Aufführung am Donnerstag zu fahren, bevor wir dann am Dienstag in Prüm nochmal hingehen, wo wir sowieso hinwollten, uns jetzt aber noch mehr drauf freuen.

Enkel Paulo (12), in Bitburg auch schon dabei (seine Mama singt ja da mit), hatte vorher zu mir gesagt: „Das macht too-taal Bock!“ Und Mutter (85), die wir mitgenommen hatten, bekannte hinterher, „esu vill“ habe sie „die letzt fönnef Johr net jelaacht“. Womit dann auch geklärt wäre, dass Tant Tilda alle Generationen mitreißt, sofern diese Generationen herrlichsten Eifeler Witz und hinreißendst dargebotene Musik zu schätzen wissen. In Arzfeld wussten sie das.

Ich wiederum wusste nicht, wie nah ich mittlerweile am Wasser gebaut bin. Nach gefühlt zehn Sekunden war jegliche professionelle journalistische Distanz dahin, wie im Lauf des Abends auch, auf der Bühne, bei Reporter Gunsebart aus Gelsenkiiechen, der über den Geburtstag der Tant berichten soll und dabei in schlimme Dialektkalamitäten gerät.

Zum Glück war ich privat da. Ich musste nämlich schon bei „Highway to hell“ von AC/DC heulen (bei „Highway to hell“! Und ich habe Zeugen!), perfekt hingerotzt von Anton und Noah (die sind 10, die Zwei. 10!). Ich könnte noch viel mehr erzählen (ich habe noch anderthalb mal geheult, da war’s zum Glück dunkel, Enkel Pino, 8, sagt, er habe auch geweint, „weil Tant Tilda so toll ist“), aber dann nähme ich zu viel vorweg.

Ihr geht ja hoffentlich alle hin, Sonntag in Speicher, Dienstag in Prüm und am Donnerstag in Ernzen. Und wenn das nicht klappt, müssen die das eben noch ein paar hundertmal aufführen, Dirks Frau Michi kriegt das bestimmt geregelt, so souverän, wie sie das Ding organisatorisch eingetütet hat. Kurz: großartig. Und zutiefst Eifel. Deshalb, ausnahmsweise:
Wer Tant Tilda noch net kannt‘,
wär besser mal dahin jerannt.

Und wer mir jetzt erzählen will, bei uns sei kulturell nix gebacken, der soll sich verziehen in seine überteuerten 80 Stadtquadratmeter und sich überlegen, ob er heute Abend nicht ins Kino, nicht ins Konzert oder doch lieber nicht ins Theater geht.

Schnitt! Und rasch noch mal zum EM-Finale, aus dem wir ja als, mindestens, moralische Siegerinnen hervorgingen (Die Engländer fühlen sich als Gewinner. Aber die glauben auch, der Stau in Dover sei normales Anstehen, nur mit Auto, und habe nichts mit dem Brexit zu tun.).

Und geändert hat sich auch was: Die Männer müssen sich jetzt reinhängen, wenn sie beim Zuschauer was reißen wollen. Am Montag, wir hatten die Enkel da, schalte ich DFB-Pokal ein. Magdeburg gegen Frankfurt. Pino setzt sich in den Sessel. Guckt. Stutzt. Und sagt: „Ach, ich muss mir einfach nur vorstellen, dass das Frauen wären.“

Eben. Der moderne Mann: Da wächst er heran.

Et jit net jerannt.