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Eifel-Einsichten
Im Lazarett

Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden FOTO: Klaus Kimmling / TV
Occams Rasiermesser: super Sache. So heißt eine Faustregel, die der Philosoph und Theologe William von Occam aufstellte. Ihre rasierklingenscharfe Kernaussage: Wenn es für ein Phänomen eine komplizierte und eine einfache Erklärung gibt, nimm die einfache.

Beispiel: Du wachst gerädert auf, die Birne brummt, und der Badezimmerspiegel weigert sich, dir eine bekannte Person zu zeigen. Komplizierte Erklärung: Außerirdische! Die haben dich über Nacht auf ihr Schiff gebeamt, schlimme Experimente an dir vorgenommen und dich dann wieder abgeladen.

Einfache Erklärung: Die elf Batralzem gestern Abend waren vielleicht ein bisschen viel. Oder: Du bist krank. Kann alles Mögliche sein.

In der Eifel aber gibt es, total unkompliziert, nur zwei Varianten, wir sagten es schon: Freckert oder Plooch (Grippe oder Magendarm). Nur in Ausnahmefällen ist es was anderes: wie bei Berthold Schmitt, der uns letztens aus Masholder ja schon eine schöne Geschichte schickte. Danach sank er malad’ ins Bettlager, weil eine gewisse Frau Pectoris, Regina oder Angelina „oder wie die da heißt“, ihn niederzwang.

Aber jetzt ist er, ein Glück, wieder fit und liefert nach: Anfang der 1960er sollte er zum Wehrdienst eingezogen werden. Sein Patenonkel Christof Meinz aus Krautscheid habe ihm daraufhin von einem Soldaten „aus dem schönen Enztal“ erzählt, der 1914 in den Krieg musste. An Silvester kam daheim eine Karte an: „Liebe Eltern! Ich liege im Lazarett. Weil ich an den Dardanellen verletzt wurde.“ Oweh! Dardanellen! Aber was war das? Die Mutter ging zum Pastor. Weil: „Deen hott doch studiert.“

Der Pfarrer wusste Bescheid. Und hatte sogar einen Globus im Haus: „Kommen Sie mal in mein Arbeitszimmer“, sagte er. „Dann zeige ich Ihnen die Dardanellen.“ Antwort der Mutter: „Oh näh, Herr Pastuur, eiija Dardanellen well eiich net siehn!“

Ich hab so lachen müssen, dass mir jetzt noch die Dardanellen wehtun. Et jit net jerannt.