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Kolumne Eifel-Einsichten
Dä, dä, dä!

FOTO: Frank Auffenberg
Es ist dem Eifeler gegeben, in extremer Knappheit zu sagen, was zu sagen ist. Wir wissen es. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Als Beispiel führe ich hier nur das auf, was er sagt, wenn andere etwas ausdrücken wollen wie: „Oh, da ist uns aber ein Malheur unterlaufen, schockschwerenot, jetzt haben wir den Salat!“ Was sagen wir hier? „Dä!“

Ein Brieflein mit einer schönen Variante dazu erreicht uns aus Dreis bei Wittlich, von Manfred Zimmer-Valentini: Er schickt uns eine Erinnerung an seine Kindheit „in einem Dorf in der äußersten Westeifel“ und an „Ädem“. Das steht hier nicht für „Adam“, sondern natürlich für „Eidam“, den Schwiegersohn, in anderen Eifel-Ecken auch: „Ejdem“. Und Ädem war ein passionierter Baustellenbeobachter (da fällt mir ein: Wem gingen sie nicht auf den Senkel, wenn er gerade im Schweiße seines Angesichts und mit hoffnungraubendem Blick auf die rapide steigenden Kosten sein Häuschen baut? Ich meine die Dabeisteher, Zugucker und Bau-Rezensenten, die einem immer, weil sie natürlich und sowieso viel mehr Ahnung von allem haben, ungefragt und ungebremst in die Arbeit hineinkommentieren und noch vor dem Estrich ausführlich erklären, was man grade alles vollkommen falsch macht.)

Aber zurück zu Manfred und Ädem: Der nämlich kreuzte, Zitat, „immer, wenn irgendwo im Dorf gebaggert, geschaufelt, gebohrt, gearbeitet wurde, innerhalb von spätestens 15 Minuten“ am Ort des Geschehens auf, schaute kurz zu – und sprach: „Idä!“

Mit Betonung auf, wahlweise und je nach Bedeutung ,i’ oder ,ä’. Das „Idä“ aber sei nur der Auftakt gewesen, sagt Manfred, es galt „als Einleitung, nein, Präludium zu einer Besprechung, die jeden Dialog mit irgendeinem dahergelaufenen Ingenieur (Motto: ,Die wossen suwisu neist!’) in den Schatten stellen würde“.

Und so sprach dann Ädem: „Idä – dat as an der Reih, ihr maacht et richtig!“ Ergebnis: kollektives Aufatmen, „Ritterschlag für die Beteiligten“. Oder aber, andersrum: alles falsch. Und dann gab es Ratschläge. Im Dorf habe es deswegen immer nur geheißen: „Wat soat Ädem?“ Die „alle Gewissheit des Universums“ umfassende Antwort: „Idä!“

Das sei nicht vergleichbar gewesen mit der Frage „was sagt der Pastor?“, eher schon mit: „Was sagt unser Herr Jesus?“ Und so habe Ädems „Idä“ alles bedeutet: Lossprechung, Lob, Kritik, jedwedes Urteil von „geht in Ordnung“ bis „naja“ oder gar: „Dat mooß geännert genn!“ Je nach Aussprache. „Sein ,Idä’“, sagt Manfred, sei die weltumspannende Formel gewesen.

Schön, oder? Ädem – einer von uns. Und, ach ja, sagt Manfred: „Ich habe Ädem niemals, aber wirklich niemals rennen sehen.“

Ein Vorbild. Also: Net rennen! Idä!