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Kolumne Eifel-Einsichten
Der Eifeler Sachverständigenrat

FOTO: TV / Klaus Kimmling
Advent, Advent, der Einkauf drängt! Wer jetzt schon die Geschenke hat / der kann sich glücklich wähnen / wem das noch nicht gelungen ist / der muss wahrscheinlich ... jo: rennen. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Wir aber haben keine Eile, sind wir doch schon reich mit Gaben gesegnet. Soll heißen: Es kam Post. In diesem Fall wieder einmal von Matzens Gemeindeboss Hermann Josef – Jupp – Fuchs, der uns eine Fortsetzung der Vorwochenkolumne (remember? Menschen, die an Baustellen herumstehen und ungefragt reinkommentieren?) in den Eingangskasten steckt.

Und ich pack die jetzt für euch, Leserinnen (wir sind hier ganz gendergerecht), aus: „Auch bei uns in Matzen“, schreibt Jupp, werde keine Grube ausgehoben und kein Bauvorhaben ausgeführt, „ohne dass in kürzester Zeit verrentete ,Bausachverständige’ auftauchen und den armen Handwerkern mit guten Ratschlägen weiterhelfen.“

Kleiner Exkurs: Mir fällt da Onkel Theo aus Reuth ein. Als ich damals, von den Maurern als Handlanger herumgescheucht, auf dem noch unbedachten Eigenheim-Obergeschoss herumstolperte, stellte sich Onkel Theo unten an die Straße. Guckte, schüttelte den Kopf und begann einen ausführlichen Sermon, der mit „esu däät ech nie en Hous boue“ begann.

Zurück nach Matzen, da klingt es ähnlich: „Freeja guuw dadelo aanisch gemaach ...“ Auf Deutsch: In der erheblich besseren Vergangenheit bedienten wir uns, weil wir ja Ahnung hatten, weit klügerer Methoden als die Penner von heute.

„Hier bei uns im Dorf“, ergänzt Jupp, „ist der Satz: ,Eich fier meich oan denger Plaatz häät dadelo anisch gemaach ... awa daad moos jo jieden fier seich sellewa wessen ...’ ... zum geflügelten Wort geworden.“ (Übersetzung: „Ich für mich an deiner Stelle hätte das da anders gemacht ... aber das muss ja jeder für sich selber wissen.“)

Und was ein guter Ortsvorsteher ist, der kümmert sich darum, dass das auch alles genau so bleibt beziehungsweise gefördert wird. Weshalb Jupp dann auch im vorigen Jahr „eine Sachverständigenbank ,wisawie’ eines neuen Bauvorhabens“ aufstellen ließ. Dort treffe sich dann das versammelte Expertentum des Orts, „natürlich mit einem Stubbi in der Hand“, und berate ausführlich „ein mögliches Optimierungspotenzial für den Neubau“.

Optimal, Herr Ortsvorsteher! Er erzählt dann auch noch, wie er, bei seinem eigenen Häuslebauvorhaben, eines verschwitzten Feierabends von einem Herrn in Anzug und Krawatte inklusive Aktenkoffer aufgesucht und angesprochen wurde, ob er denn „hier der Bauherr“ sei. Offenbar handelte es sich um die Anbahnung eines Verkaufsgesprächs. Jupp aber rief nur: „Nein! Ich bin hier der Bauknecht – und ich soll auch noch den ganzen Mist hier bezahlen!“ Der fremde Herr schlich sich davon.

Bevor ich aber nun mich ins Wochenende trolle, hier noch der absolute Hammersatz, die schlimmste Kritik, die der Eifeler überhaupt vorbringen kann, wenn er Zweifel an Qualität, Gestaltung und Gesamtausführung eines handwerklichen Vorhabens in Worte fasst (kam auch von Jupp, hat er in Matzen selbst gehört). Und der geht so: „Woolst dou daad su machen ...?“ Peng!

Et jit net jerannt.