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Kolumne Eifel-Einsichten
Tausend Feuer in der Schalker Nacht

FOTO: TV / Klaus Kimmling
Die Geschichte erzähle ich ja sowieso immer wieder, warum also nicht auch hier? Oder hab ich das schon? Ist mir egal. Denn jetzt, wo Rudi Assauer von uns gegangen ist (es stand ja schon lange nicht gut um ihn), haben wir den, leider allzutraurigen, Anlass dafür. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Es war in den Achtzigern, als der Kolumnist eures nicht immer gerechtfertigten Vertrauens im Ruhrgebiet studierte, ständig auf Schalke pilgerte und unter anderem Zeuge des unvergessenen 6:6 gegen die Bayern im Pokalhalbfinale ’84 wurde. Und als dann, ein paar Jahre später, den Schalkern, verletzungsbedingt wie heute, die Spieler ausgingen.

Rudi Assauer war damals Manager und genauso wie Klaus „Tanne“ Fichtel schon in seinen Vierzigern. Was tun? Wer kann noch auffen Platz? Assauer kannte die Antwort: „Wir haben die Wahl zwischen Klaus Fichtel und mir“, sagte er. „Der Jüngere kriegt die Chance.“ Und so lief dann Fichtel nach Jahren der Inaktivität wieder auf. Und als er, umjubelt, erstmals wieder für Schalke antrat, sah man im Gelsenkirchener Parkstadion ein Transparent: „Der Wald stirbt. Die Tanne steht.“

Im Jahr 1985 feierte dann Schalke-Legende Ernst Kuzorra seinen 80. Geburtstag (musste aber zum Glück nicht mehr reaktiviert werden). Der große Kuzorra, der mit seinem Schwager Fritz (Topvorname) Szepan den „Schalker Kreisel“ erfand (heute: Tiki-Taka), mit dem sie damals alles schwindelig spielten. Und dadurch, wie ich jetzt, wäre ich Spochtrepochter, sagen müsste, „von Meisterschaft zu Meisterschaft eilten“. Kuzorra wird also 80. Und sagt: „Ich hab nur Angst – Sie wissen ja, ich werd 80 – dass es mir so geht wie mein’ Oppa. Der hat mit 93 noch mal geheiratet.“ Kurze Pause. „Weil er musste.“

Und jetzt alle: Tausend Feuuu-er in der Nacht ... haben uns das große Glück gebracht...“ Danke, Ernst. Glückauf, Rudi. Und damit geben wir zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. Et jit net jerannt.