Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Alles fließt

Eine flammende, feuerspeiende Zornkolumne wollte ich schreiben heute, Anlässe gibt’s zu Hauf, aber es wird eine wässrige. Und das ist gar nicht schlimm, sondern wunderbar, echt. Weil mir doch vorige Woche, nachdem ich die Kindheits-Floßbau-Geschichte erzählt hatte, wieder einmal, wie schön, der strömungserfahrene (Wasseranspielung!

) Franz-Rudolf Molitor aus dem kylldurchflossenen (Wasseranspielung!) Mürlenbach eine Mail rüberschiffte (Wasseransp ... ihr habt’s, nä?). Und stand ich doch gestern noch an den Gestaden der Amblève, nebenan in Belgien, die sich dort, niagaragleich, am Rande des Freizeitparks von Coo in die, naja, so mitteltiefen Tiefen stürzt. Schön da. Hinfahren. Jedenfalls meldete sich Franz-Rudolf, der meine Mark-Twain-Huckleberry-Finn-Anspielung sofort kapiert hatte. Und sandte mir einen Satz, bei dem ich dachte: Das ist so schön, das zeig ich euch. Hier, Franz-Rudolf übernimmt: „In diesen unvergesslichen, schönen Jugendjahren vereinte die alte Zimmertür, welche am Grundstück meiner Großeltern in der sommerwarmen Kyll wasserte, alle Boote und Schiffe in sich, die mit mir und den Büchern unserer Pfarrbücherei in See stachen.“

Ich las es, und meine Augen mussten Pipi angesichts der poetischen Brillanz. Und mild legte sich Erinnerungsmelancholie auf mein schütteres, sommerwarmes Haupt.

Alles fließt, sagt Heraklit der Dunkle, du kannst nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen. Ja, so ist es. Bleibt an Bord und über Wasser, et jit net jerannt.