Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Wurfpost, Eifeler Variante

Vielen Dank, das war sehr schön in Ittel bei den Bitburger Landfrauen! Also jedenfalls für mich. Und ich wurde an Ort und Stelle die Geschichte los, die dort spielt und ich schon lange mal erzählen wollte.

Dä: Ein gewisser Herr nämlich aus meinem Heimatdorf (Namen sind hier aus eventuell immer noch strafrechtlich relevanten Erwägungen heraus total irrelevant), dieser Herr also (ich weiß auch gar nicht, wie er genau heißt, weil wir ihn ja sowieso immer nur „Vatter“ nennen), also dieser Herr arbeitete in jungen, unbeschwerten Jahren, bevor ihm die Nachkommenschaft all den Stress bereitete (anderes Thema) bei der Bahnpost.

Also auch auf der Eifelstrecke, klar. Und so saß er oft morgens im ersten Zug von Trier nach Jünkerath, im letzten Waggon. Das war der Postwagen, mit den schmalen Fenstern dran, falls sich jemand erinnert.

„Und morgens im ersten Zug von Trier hatten wir immer den Volksfreund dabei“, erzählt er. Den nämlich lieferten die Jungs damals noch an allen Bahnhöfen und Stationen der Eifel zuverlässig an, wo er von der treuen Leserschaft (damals, Kinder, taten die Leute noch so Sachen wie „Lesen“, eine alte, nahezu vergessene Kulturtechnik, deren Sinn sich heute kaum einem noch erschließt) schon heißen Herzens herbeigesehnt wurde.

Nun gab es im schönen Eifelsüden die Station „Ittel-Kyll“, sagt Vatter. Da aber stoppten sie nicht. Da rollten sie immer nur durch. Das Päckchen mit dem TV wurde also im Vorbeifahren aus dem Fenster hinaus sanft auf dem Bahnsteig fallen gelassen. Meistens. Denn das – und wer verstünde es nicht? – war den Bahnpostlern natürlich zu öde. Und so setzten sie sich ein Ziel. Dieses Ziel, es war ein gläsernes, befand sich in der Vorderwand eines nahen Bahnhäuschens.

Etliche Abwürfe später kam Vatter eines Abends wieder in Stadtkyll an. Und rief, den Triumph in Gesicht und Stimme, den Kollegen daheim zu: „Heute gelang uns der große Wurf! ... Fenster in Ittel zerstört!“

Zack! Welch schöner Beweis für die Schlagkraft des Volksfreunds! Und, öh, hoffentlich verjährt. Falls mich ein spätberufener Ermittler deswegen jetzt ansprechen sollte: Ich halte dicht. Und sag nix mehr.
Außer: Et jit net jerannt.