1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Kalvarienberg-vagabunden

Aus den fernen Tiefen meiner asthmabeeinträchtigten Kindheit taucht ein Begriff auf, den ich seitdem (also seit gut zehn Jahren ... okay, seit mehr als gut zehn Jahren, jaja, dann eben gut 40 Jahre. Ungefähr.

Ist auch egal, darum geht es hier nicht!) nicht mehr vernommen habe. Benutzt hat ihn letztens Alwin Spoo aus Niederprüm.

Wir saßen zusammen, weil er sich ja so liebevoll um den Prümer Bestattungswald im Schatten des Kalvarienbergs kümmert. Ich war dort zweimal hinaufgestiefelt, einmal nur so, um mir zu beweisen, dass ich mittlerweile die Kalvarienberg-Südwand ohne Sauerstoffgerät schaffe, und beim zweiten Mal dann, um mich am Waldsaum mit Alwin und Oberförster Peter Wind zu treffen, zwecks Artikel.

Beim Nachgespräch in der Redaktion strunzte ich gegenüber Alwin, wie fit ich doch aktuell sei und dass ich dort zwei Mal dermaßen zügig und sogar seilfrei hinaufmarschiert sei, ohne außer Atem oder in Infarktnähe zu geraten.

Nur sagte ich das nicht so ... sondern so was wie „ich bin da hoch ohne ... also ohne ... wegen der Luft ... also ohne zu ...“ und Alwin, lässig: „Ohne zu hallijen.“ Das war das Wort, das mir gefehlt hatte – hallijen. Eine weitere Eifelvariante lautet: jappen. Beides bedeutet „nach Luft schnappen“. Noch heute klingt mir die elterliche Sorge im Ohr, wenn ich damals aufrecht im Bett hockte und es hieß, ich sei wieder am jappen und am hallijen.

Beides ist sehr schön und lautmalerisch und sehr Eifel. Jetzt frage ich mich aber, was die Leute auf unseren norddeutschen Winz-Inseln, den Halligen, wohl sagen, wenn sie „hallijen“ müssen. „Eifeln?“ Man wüsst‘ es gern. Wobei: Die Halligen sind so klein, da ist ja gar kein Platz für Kalvarien- und andere Berge.

So. Durchatmen, Wochenende! Und raus an die Luft, Eifelbergvagabunden!

Et jit net jerannt.