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Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Pandemie, ich kannemieh

An was man sich auf einmal alles so gewöhnt ... mein neues Motto: Ärmel runterkrempeln. Damit ich mit dem unteren Ende all die Klinken anfassen kann, die ich jeden Tag anfasse. Das sitzt inzwischen so tief, dass ich das heute Morgen im Halbschlaf auch plötzlich daheim gemacht habe.

Irre.

Mich übermannt das alles. Ich wär ja gerade jetzt gern ganz lässig und cool, aber diese Woche habe ich ungefähr sechs Kolumnen angefangen und sie dann alle in die Tonne getreten. So sitz ich hier auf einer halben Halde von Witzen, die ich mich nicht zu erzählen traue.

Ist doch wahr: Wir sind alle überfordert. Mir kommt es vor, um mal ein Bild zu nehmen von einer ganz anderen Sache, die uns vor ein paar Wochen noch Sorgen machte (erinnert sich wer an diese Sabine?), wie wenn du im Wald stehst und links und rechts von dir krachen die Bäume reihenweise um, und in all dem Krachen und Taumeln und Stürzen passt du einmal nicht auf und machst einen dicken Fehler. Wie ich dieser Tage auch.

Was ist richtig, was ist falsch? Und gibt es das überhaupt noch, richtig und falsch? Müsste man, wo Mundschutz Mangelware ist, jetzt seine Donald-Trump-Maske vom Karneval überziehen (schützt auch gegen unangenehme Fakten)?

Und müssten nicht die ewigen Hetzfratzen jetzt eine Burkapflicht für Blutsgermanen fordern? Und was machen die, wenn ausgerechnet die Forscher, die migrantische Wurzeln haben, genau das Mittel finden, das ihnen den ganz persönlichen Volkskörper rettet? Und werden wir bald alle ganz schlimme Frisuren haben, wenn auch die Friseure dichtmachen müssen?

Ach, das ist alles zu trüb. Ich berichte lieber einfach von ein paar Dingen, die mir aufgefallen sind auf meinen einsamen Reisen durch die entvölkerte Eifel (gut, so groß zu vorher ist der Unterschied ja nicht).

Etwa zum Thema „Klopapier ausverkauft“ (während der Franzos‘, wie man mir zuträgt, Wein und Kondömchen bunkert, aber der hat ja auch ein Bidet. Der Ami tut, was er immer tut: Knarren kaufen): Den besten Satz dazu lieferte mir die nette Verkäuferin im Delhaize-Supermarkt auf der Grenze zu Belgien – der beinah letzten, die man in diesen Tagen noch überqueren konnte.

Ich muss da öfter hin, weil ich mich nicht zuletzt gegenüber dem lokalen Brauereihandwerk solidarisch zeigen will. Und weil die einen Kaffee haben, den wir woanders nicht kriegen. Ich also – na gut, ausnahmsweise – vier Pfund aufs Band gelegt. Und einen Satz Küchenpapier (in diesen Zeiten ist das die neue Lieblingsbeschäftigung: Wischen, Wischen, Wischen. Und das ganz ohne Handy).

Ich zur Kassiererin: „Ist das schon ein Hamsterkauf? Kassiererin, ganz andere Sachen gewöhnt: „Nä.“ Als ich ihr sage, dass auch in ihrem Markt das Klopapierregal (als Einziges übrigens) leer sei, schüttelt sie den Kopf: Ja klar, das Virus, sagt sie. Schlimm. „Aber man kriegt doch keinen Durchfall davon!“ Oder doch? Man weiß es einfach nicht.

Aber eins weiß ich: Die Welle der jetzt angelaufenen Hilfsaktionen überall auf den Dörfern ist der Hammer. Respekt.

So, das war das Coronatagebuch, erster Eintrag. Wer weiß, wie viele es noch geben wird. Haltet durch und euch voneinander fern – wir alle sind schützenswert. Zumal wir hier in der Eifel ja so viele nicht sind. Und denkt auch an die, die keinen haben, von dem sie sich fernhalten können. Und jetzt erst recht, mit der gebotenen Distanz:


Et–––jit–––net–––jerannt.