1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Heißkaltblütig

Die C-Tagebücher, achter Eintrag, ich zitiere: „Wenn überall Coronas hocken, dann bleib zu Haus und stricke Socken!“ So schreibt, wie schön, uns wieder mal Johanna Dichter-Zender aus Roth an der Our.

Und das auch noch auf dem analogen Postweg, das erlebt man ja heute kaum noch.

Danke! Ich retourniere, liebe Frau D-Z, mit:


Wenn dich Coronasorgen plagen,

dann solltest du ‚ne Maske tragen.

Und sei sie auch daheim genäht.

In diesen Zeiten hilft, was geht!

So. Johanna ist aber noch nicht fertig. Sondern schreibt noch mehr: Denn sie stellt beim täglichen – „sorgfältigen“, betont sie (ich las gerade: „sorgenfältigen“, au Mann), also beim täglichen sorgfältigen Studium des TV fest, dass unsereiner jetzt ja ständig die Artikel raushaue und ackern müsse „wie ein Kaltblut-Rückepferd“, während die Leute „im gesetzten Alter im Chill-Modus“ seien (an dem Vergleich mit dem Forstbetriebsross ist was dran, Johanna. Erstens steh ich seit Wochen, seuchensorgentechnisch, ziemlich im Wald. Und zweitens: Sie sollten mal inzwischen meine Mähne sehen).

Ich finde das sehr schön, dass jemand unsere Arbeit sieht, sei sie auch noch so systemirrelevant (oder irre systemrelevant. Wer weiß es schon?).

Aber, liebe Frau Dichter-Zender: Wir hängen uns hier alle rein, solange wir können. Und dürfen. Und zwar gern. Und heißblütig. Wenn auch sorgenfältig. Weshalb manche von uns bei der morgendlichen Videokonferenz aussehen, als hätten sie in ihrem Gesicht geschlafen.

Zum Trost, schreibt sie übrigens, hätte sie mir gern „eine Rolle Klopapier geschickt“. Sie hatte aber leider „den Brief schon zugeklebt“.

Liebe Frau Dichter-Zender: Der Brief war viel schöner. Und wird deutlich länger halten.

Frohe Ostern. Bleibt alle heil und in euren Nestern.

Et jit net jerannt.