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Kolumne Eifel-Einsichten

Eifel-Einsichten vom 15. April 2020 : Schon damals alles gewusst

Ich muss das Ding hier umbenennen, im Moment schreibt ja jeder Jeck Coronatagebücher. Wir waren zwar gefühlt die Ersten damit, aber bevor ich als Dorfkolumnist die schlaumeiernden Großschreiber der Republik des Plagiarismus zeihe, denk ich mir lieber was Neues aus.

Von jetzt an heißt es also: Das Corona-Logbuch. Kurz: C-Log. Oder Clog (to clog heißt auch „verstopfen“. Wer weiß, wofür das jetzt gut ist).

C-Log, neunter Eintrag: Dieser Tage dachte es in mir – und entweder kriege ich dafür den Medizin-Nobelpreis, oder der US-Präsident klaut mir die Idee, weil sie so bescheuert ist –, also, es dachte in mir, „wenn man mit Wasser und Seife das Scheißvirus kaputtkriegt, warum spritzen die uns nicht einfach Handwaschmittel?“ Oder wir trinken kurzerhand die Lauge. Schmeckt zwar komisch, aber das tut Kölsch auch. Kann man eigentlich Seife rauchen?

Wovon das Internetz auch überquillt: Lesetipps. Ich gebe zu: Mein Lektüreverhalten in diesen dunklen Wochen ist etwas, sagen wir, erratisch. Erst alles zu Corona und dann etwa fünf Bücher gleichzeitig.

Meist lande ich derzeit aber doch bei den Klassikern: Die heißen ja nicht Klassiker, weil sie alt sind, sondern weil sie damals schon recht hatten. Wie Johann Paul Friedrich Richter (1763 bis 1825), bekannter unter seinem Dichternamen Jean Paul. Der hat sogar einige Sätze parat, die gerade jetzt millimetergenau passen. Hier, etwa zum Thema Daheimbleiben:

„Es ist schöner, eine schöne Gegend zu betrachten als zu betreten.“

Oder für alle, die jetzt Stress miteinander kriegen:

„Wenn der andre sich mit allen seinen Fehlern, die er noch besser kennt als ich, erträgt, warum sollte ich ihn nicht ertragen?“

Oder zu den Coronaleugnern: „Man drückt lieber die Augen zu, als dass man die Finsternis sähe.“

Zu Donald Trump: „Mit manchen Dingen muss man prahlen, um sich ihrer nicht zu schämen.“

Und warum wir die Alten schützen sollten:
„Dass Verstand erst mit den Jahren kommt, sieht man nicht eher ein, als bis der Verstand und die Jahre da sind.“

Und ja, zu den besonders traurigen Ereignissen, da hat er auch ein bisschen Trost: „Gestorbne Freunde sind Ketten, die uns von der Erde ziehen und fester mit einer bessern Welt verknüpfen.“

Gut, oder? Und falls jemand am Verstand des Kolumnisten zweifelt, für den hab ich auch noch einen von J-P: „Ein gewöhnlicher Kopf wagt selten etwas Kindisches.“

Wahrhaftig: ein kluger Mann.

Bleibt alle heil. Et jit net jerannt.