1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Es ist zum Daheimbleiben!

Wirklich Wahnsinn, wie billig der Sprit grade ist. Ich fühle mich glatt an meine Jugend erinnert (genau, so billig). Man möchte am liebsten jeden Tag tanken fahren. Aber weil wir nicht herumrennen dürfen, haben wir da auch wieder nix von.

Super, vielen Dank auch.

Schnell ein Hinweis in eigener Sache. Und zwar in eurer eigenen Sache: Heute empfehlen wir auf unserer Service-Seite wieder ein paar Bücher, etwas Besseres gibt es ja in diesen Tagen kaum. Und wie ich schon sagte: In der Krise ... sprießt die Frise!, ruft der Badezimmerspiegel und spottet der Verlotterung seines Herrn.

Nein, ich wollte sagen: In der Krise wärmt mich eher die klassische Literatur (ich komm gleich darauf zurück, denn in diese Kolumne hab ich noch eine feine Empfehlung geschmuggelt).

Und gelegentlich muss es auch was Heimeliges, Seelenwärmendes zum Essen sein. Deshalb gibt’s bei uns daheim auch im Moment öfter Spaghetti Coronara ... Carbonara. Schuldigung, man kommt ganz duhcreinadner.

Schlimme Zeiten. Auch für Kalauer. Wie sagt das Großkapital in der Krise? „Egal, Leute, wir sind Hummer gewöhnt.“

Corona-Log, zehnter Eintrag: Ich hoffe, ihr seid, bleibt oder werdet wieder gesund. Und, wie der Eifeler sagt, erkubbert euch schnell, falls es euch erwischt. Deshalb rasch der Dialog der Woche, reingereicht von, schon wieder!, Mosers Rosi aus Olmscheid.

Schauplatz: ein Arzfelder Lokal, in dem die Wirtin, Gewinn im Sinn, entsprechend knapp das Pils in die Gläser zapft. Ein Gast opponiert: Das Bier „as awer net am Eichstrich“! Antwort der Wirtin: Man möge sich keine Sorgen machen, denn: „Dat erkubbert sech noch.“ Kurz darauf zahlt der Gast. Legt aber nur 50 Pfennige auf die Theke. Die Wirtin mahnt: Das komme aber nicht hin, bzw: „Dat jeet net dar!“ Antwort des Herrn mit Blick auf den Fuffi: „Den erkubbert sech noch.“

Danke! Und auch, wir sind wieder bei der Literatur, an eine der wundervollsten Romanfiguren, die je ausgedacht worden sind: Oblomow nämlich, Held des gleichnamigen Romans von Iwan A. Gontscharow, 1859 erschienen.

Ilja Iljitsch Oblomow ist der vermutlich antriebsärmste Mensch, der je seinen schlaffen Hintern durch ein Buch schleppte. Und bleibt, äußerst freiwillig, immer im Zimmer. Schafft höchstens mal die weite Reise vom Bett rüber zum Sessel. Aber schon zieht’s ihn wieder matratzenwärts. Gerät er dann doch einmal bis kurz davor, eine seiner Ideen in die Tat umzusetzen, dann ... ach nein, war nichts, er ermattet aufs Neue von all der Denkerei und legt sich lieber wieder hin. Und träumt von seiner Jugend, als der Sprit noch billig war.

Ein Buch mit strammen 650 Seiten und so wenig Action könnte langweilig sein. Aber Gontscharow beschreibt das alles auf eine so hinreißende und komische Weise, dass man auf jeder Seite funkelnde Lektürediamanten findet.

Und sogar welche, die exakt auf uns passen. Hier, Seite 27 (in meiner dtv-Ausgabe mit der Übersetzung von 1960): ... „der Unglückliche! schloss Oblomow seine Betrachtungen, drehte sich auf den Rücken und freute sich, dass er keine so eitlen Wünsche und Gedanken hatte, dass er nicht herumrennen musste, sondern unter Wahrung seiner Menschenwürde und seiner Ruhe daheim liegen konnte.“

Oblomow. Einer von uns. Weil er wusste: Et jit net jerannt. Denn das, Leser, ist menschenwürdig und recht.