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Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Der Staub unserer Tage

Im Moment liegt die Reproduktionszahl meiner Sorgen bei etwa 3,9. Viel zu hoch. Weil (C-Log 14 übrigens): Wenn du dich von der einen Krise mal wegdrehst, um dich zu erholen, fällt dein matter Blick gleich auf die nächste: Wetter.

Klima. Während ich das hier (um, immerhin, 7.54 Uhr) in die Tasten hacke, fällt zwar Regen. Aber eben viel zu spät. Und bestimmt nicht genug, um Natur, Forstleute, Waldbesitzer und Bauern froh zu machen.

Seltsame Reaktion meinerseits: Ich mach mich froh mit Treckerfotos – wann immer ich einen Landwirt auf den staubtrockenen Feldern fahren sehe, muss die Kamera raus. Kindliche Prägung, anders kann ich es mir nicht erklären: Wie gülden sind die Erinnerungen an frühe Jahre, in denen man bei Lorenz, Albert, Bernd oder Erich auf dem Treckerbeifahrersitz – dem nackten Kotflügel natürlich – thronte und, selig hinternwippend, mit Polsterung war ja nix, in die Gegend glotzte. Und was waren das für Trecker! Wunderschöne Dinger.

Heute sehen die Landmaschinen ja alle aus, als wollten sie sich um eine Rolle im nächsten Transformers-Film bewerben, diesem hirnamputierten Hollywoodquatsch für Halbdebile, in dem Fahrzeuge eigentlich zusammengefaltete Monsterroboter aus dem All sind.

Apropos gülden: Der Vater von Josef Hupperts, der heute in Niederprüm haust und aus Schwirzheim stammt, hatte, wie Josef erzählt, früher „einen Zwölfer Güldner“. Komm ich gleich zu. Erst aber: Lanz. Nicht Markus „Ich weiß schon alles, was du, Interviewgegenüber, mir sagen willst, und ich weiß es viel besser!“ Lanz, sondern die Treckermarke.

So einen nämlich, einen „Lanz Aulendorf“, sagt Jupp, hatten in den Sechzigern die Brüder Jannes und Pitter auch. „Mit 15 PS, dat war ja damals schon viel.“ Pitter hatte zusätzlich eine sprachliche Eigenheit, wie man sie so oder ähnlich bei vielen Eifelern findet. Bei ihm war das der Ausruf: „Newalso!“ Eine Kontraktion aus „net woahr?“ (nicht wahr?) und „also“. Und so fuhren sie eines Tages zu Feld, und auf dem Weg dorthin sackte einer der Lanz-Reifen in ein tiefes Schlagloch. Pitter wurde zum Ex-Beifahrer, weil es ihn aus dem Sitz riss und an den Feldrain warf. Zum Glück blieb Pitter am Stück, rief aber, kopfkratzend: „Wenn (wer), newalso, hätt dann jedoascht (gedacht), datt elo (dort) su e Lauch (so ein Loch) wär, newalso!?!“

Schön, wa? Und jetzt zum Zwölfer Güldner: „Wenn wir damit Mist fuhren, nach Duppach hoch“, erzählt Jupp, habe sein Papp „immer auf Handgas gestellt“, sei aber beim Umschalten auf Vollgas geblieben (man stelle sich das Aufheulen des Motors vor).

„Und wenn dann der Gang einrastete, sprang der Trecker natürlich hoch“, sagt Jupp. Worauf die Mitschwirzheimer zu sagen pflegten: „Ass dengem Papp sengen Bulldog stierisch?“ Auf Hochdeutsch also: Befindet sich der Traktor deines Vaters im Zustand der Paarungsbereitschaft?

So, 8. 34 Uhr, es hat zu regnen aufgehört. Sorgenreproduktionsfaktor 4,1. Stürzen wir uns zur Ablenkung in irgendwelche Arbeit. Bleibt alle heil. Danke, Jupp. Und, ach ja: Nächste Woche hab ich was richtig Schönes. Et jit, newalso, net jerannt, newalso!