1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Herbstpapier

Ich schreibe „Klopapier“ auf den Einkaufszettel. Und was meldet das Internetz? „Deutsche kaufen wieder mehr Klopapier.“ (Genau, C-Log Eintrag 33 – heute mit anlassbedingt besonders dickem Hals verfasst)

Da krault man stets gegen den Strom, will authentischer Eifeler sein, renitent also und eigensinnig und individu ... also nicht so wie alle anderen, und dann ist man doch nichts weiter als germanischer Durchschnitt und tut, was alle tun (abgesehen davon, dass ich mich sowieso für einen Kelten halte). Aber ischwör: Wir hamstern nicht, wir haben’s nötig, also das Papier, weil tatsächlich der heimische Bestand gegen Null geht. Das ist einfach die Realität, die ich nicht wegwischen kann.

 Und was soll erst unser Freund M. sagen („schreib bloß nicht meinen ganzen Namen“, sagt M, ich will nicht zum Gespött werden!“ Gut, M, mach ich) – der hat im Moment noch nicht mal ein Klo! Weil: Er kriegt gerade das Bad neu gemacht. Jetzt sieht man ihn einsam durch die vernebelten Straßen streifen und liebevoll das fallende Laub betrachten. Vor allem die größeren Blätter. Bevor es ihn dann zu dichteren Baumbeständen zieht.

Der Gesamtdeutsche aber hetzt in die Hygieneabteilungen, kauft palettenweise perforiertes Papier und das nur, weil die Infektionszahlen wieder steigen. Das hatten wir doch alles schon.

Was wir allerdings noch nicht hatten, ist das: Die Zahlen steigen vor allem bei uns. Hier auf den Dörfern, wo sonst nur Fuchsbandwurm und Freckert drohen. Jetzt sind wir hier Spitze beim Dingsbumswert und werden vernannt als die Partypeople der Nation.

Und zack, jetzt, wo wir mal bei irgendwas Beschissenem Erster sind, entdecken uns alle. Sogar die, äh, Medien. Die uns sonst mit dem, ach, ich schreib’s einfach: Arsch nicht angucken.

Wo ich doch gehofft hatte, dass wir ewig unentdeckt bleiben und schön von all den Bekloppten da draußen in Ruhe gelassen werden. Vorbei. Vielen Dank auch. Drauf geschi**en, sag ich. Ach so, genau, Papier kaufen. Schicht, schüss, net rennen.