1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Breaking News

Nervenzerschnetzende Zittertage, Leser. Ich saß natürlich am Mittwoch um fünf vor dem Kasten, bang hoffend, dass sie den Apfelsinenfarbenen mit Schimpf und Schande zurück in seinen billigen Tandturm jagen oder, wie bei Lucky Luke, geteert und gefedert auf einer Eisenbahnschiene aus der Stadt tragen würden.

Und was sah ich? Es kam alles anders. Bevor es dann, quälend langsam, nochmal anders wurde. Und dann aber auch wieder zurück anders – und gerade wieder nochmal neu anders.

Verzweiflung. Schwärzestes Schwarz im Hirn. Vier Mal hackte ich mir beim Rasieren ins Gesicht, weil meine schlaffe Hand versagte (vielleicht war auch die Klinge schlecht, aber wer will das lesen). Nie hätten sie mich so in ein Fernsehstudio gelassen, allerdings hätte ich da auch nicht reingehört. Ich bin einfach kein Profi. Wie all die Moderatorinnen, Analysten, Zahlenzauberer an magischen Grafiktafeln, Reporter draußen „on the ground“, wie sie das alle durchstanden, als berührte es sie nicht im geringsten, während man doch sehen konnte, wie sehr sie einen Biden-Sieg noch im hinterletzten County irgendwie herbeikalkulieren wollten – ich könnte das nicht. Die blieben cool, ich hätte weinend im Studiosessel gehangen, dreimal auf meine Notizen gebrochen (breaking news, yeah!), und dann hätten sie mich rausgeschafft.

Die deprimierendste aller Nachrichten hatten die Kollegen bei der Associated Press: In den knapp 400 Wahlbezirken, die am schwersten vom Virus getroffen sind (wir sind bei C-Log 36), haben alle – wen gewählt? Genau, den Orangenen.

Die liebe Ursula Rogers aus Prüm schreibt, ich solle bitte dranbleiben, das mache ihr immer Laune. Also mit der Koluh ... Kommu ... Kolumne. Seht ihr? Mir fällt gar nichts mehr ein außer schalen Kalauern. Schalauern, sozusagen. Immerhin, Wort erfunden, so schalau bin ich noch. Hoffnung! Biden robbt sich ran in Georgia.

Et jit net jerannt.