1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Fernwähler

Gelber Zettel, grauer Zettel, weißer Zettel, roter Umschlag, blauer Umschlag ... okay, da stehen die Erläuterungen ... da mach ich das Kreuzchen hin ... der Zettel kommt dann in den Umschlag, beides dann in den Umschlag ... und ab die Post.

Genau, wir machen Briefwahl, juhu. Weil in der Vulkaneifel doch ein/e neue/r Landrätin/Landrat gewählt werden soll.

Oho, Briefwahl, uiuiui, würdet ihr, stimmberechtigte Bürger der Eifel, warnend rufen, sofern ihr dem demagogischen Geschwätz des orangenen Superschwachsinnspreaders im Weißen Haus (der geht da nicht raus, ich glaub nicht mehr dran) auf den Lügenleim ginget, was ihr aber nicht tut, seid ihr doch abgeklärte Eifeler mit zwiefachem Abwehrmechanismus: klug und bauernschlau, sogar die Akademi ... also die Studierten unter euch.

Ich überlege trotzdem, wie man denn dabei tricksen, fuschen, foutelen könnte. Ergebnis: viel zu viel Arbeit, ich bin doch nicht bekloppt. Die Logistik! Und wen ich da alles zum Mitverschwören einspannen müsste ... keine Chance.

Die Briefwahl zu schmähen, wie Trump es trötend tut, dachte ich dieser aufgewühlten Tage, das ist wie wenn einer sagt: Fernbedienung? Benutz ich nie! Weißt du, was da alles zwischen Sessel und Fernseher passieren kann? Du willst auf Arte schalten, weil da eine irre interessante Dokumentation über pantomimisches Regietheater des frühen 20. Jahrhunderts in Rumänien läuft ... oder ein Bericht über neue Erkenntnisse beim Trocknen von Farbe – und zack, landest du bei ... Fußball!

Hm, vielleicht ist ja doch was dran. Mir nämlich auch schon passiert. Und dann? Schalke wieder verloren. Und schlecht verloren auch noch. Hätt ich besser mal Arte geguckt.

Apropos klug: Schon wieder schlug eine meiner Prophezeiungen ein (siehe Trump, Desinfektionsmittel, Gurgeln, C-Log 9, das hier ist 37) wie ein Gewaltroller ins verwaiste Schalker Tor. Mutmaßte ich nicht im allerersten C-Eintrag, dass unter all den Forschern und Medizinern, die an einem Impfstoff basteln, etlichen der Migrationshintergrund in den deutschen Pass geschrieben steht? Und wer hat jetzt offenbar den ersten fertig? Dä, die zwei aus Mainz, und zwar (schlägt lieber nochmal die Namen nach): Ugur Sahin (in Köln, Alaaf!, groß- und in Mainz, Helau!, berühmt geworden) und seine Frau Özlem Türeci. Toll find ich das, auch aus egoistischen Gründen. Noch toller: Sie sind nicht die einzigen. Erstens mit Migrationshintergrund und zweitens beim Impfstoffentwickeln. Und anders als bei US-Wahlen kriegt nicht der erste alles. Sondern auch die anderen. Weil deren immunisierende Stöffchen nämlich auch gebraucht werden. Und mit dieser ermutigenden Nachricht widme ich mich jetzt weiter dem Verbrauch meines Resturlaubs.

Nicht aber, ach ja, ohne euch noch schnell mein Lesefundstück der Woche dazulassen: Die Kollegen von der Süddeutschen schrieben dieser Tage und vertippten sich dabei aufs Allerschönste, Hillary Clinton habe vor vier Jahren bei den absoluten Stimmen „mit großem Anstand“ vorn gelegen. Wie ja auch aktuell Joe Bidens Anstand gegenüber Trump von Tag zu Tag größer wird. Und mein Urlaub immer kleiner, wenn ich jetzt nicht sofort aufhö ... Schüss!

Et jit net jerannt.